1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland - Erinnerungsjahr 2021

Veranstaltungsreihe der Museen der Stadt Bamberg

„Jüdisches Leben in Bamberg – eine Spurensuche“

Bamberg – da denkt jeder an Dom, Altes Rathaus oder Klein Venedig. Die tausendjährige Geschichte ist zum Greifen nah. Doch einen bedeutenden Aspekt verliert man leicht aus dem Blick: Die jüdische Geschichte der Stadt. Jüdisches Leben in Bamberg gibt es vom Mittelalter bis heute. Manche Spuren dieses Lebens sind kaum zu übersehen, einige muss man suchen, viele sind für immer verloren. Auf diese Spurensuche möchten die Museen der Stadt Bamberg ihre Gäste mitnehmen: Unterschiedliche Veranstaltungsschwerpunkte beleuchten ab Mitte des Jahres nicht nur jüdische Geschichte, sondern zeigen auch die Relevanz für unsere heutige Gesellschaft.

Anhand persönlicher Schilderungen, wie aus dem Tagebuch der jüdischen Bamberger Schülerin Erika Löbl oder den Erinnerungen von Margot Herrmann aus der Bamberger Bankiersfamilie Wassermann und Zeitzeugeninterviews wird Geschichte dabei hautnah erlebbar und bietet einen Ausgangspunkt für eine vielfältige Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rassismus, Religion und dem Thema Flucht und Asyl aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Ausstellung „Jüdisches in Bamberg“ ist die Basis des Projektes für das Erinnerungsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Die Fülle der Themen und Ansätze der Ausstellung bieten zahlreiche Zugänge zu den Aspekten der vielfältigen und wechselhaften jüdischen Geschichte und Gegenwart nicht nur in Bamberg, sondern deutschlandweit.

Für Sommer bzw. Herbst 2021 haben die Museen der Stadt Bamberg daher eine Reihe verschiedener Veranstaltungen geplant. In einer dialogorientierten Führungsreihe zum Beispiel können sich alle Interessierte auf Spurensuche begeben. Was ist eigentlich jüdisch? Und was unterscheidet Juden und Christen? Gibt es darauf überhaupt eine Antwort? Ausgehend von Werten, die beiden Religionen gemeinsam sind, sollen diese und viele weitere Fragen diskutiert werden. Die Termine im Einzelne werden zeitnah hier zu finden sein.


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Programm

Erinnerungsjahr 2021
1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Veranstaltungsreihe der Museen der Stadt Bamberg
„Jüdisches Leben in Bamberg – eine Spurensuche“

 

Donnerstag, 1. Juli 2021, 17 – 18 Uhr
VHS Bamberg Stadt, Altes E-Werk, Tränkgasse 4, Großer Saal

Vom Atelier in die Küche. Deutsch-Jüdische Kunst und ein Erinnerungs-Kochbuch.
Die Künstlerin Gabrielle Rossmer Gropman

Vorgestellt werden die 1938 in Bamberg geborene Künstlerin Gabrielle Rossmer Gropman und ihr Werk. Die Bildhauerin hat Impulse für ihre Kunst aus dem Schicksal ihrer 1939 verjagten jüdischen Familie umgesetzt. Einige Werke waren und sind in Bamberg ausgestellt. Vor allem ihr Vater Stefan Roßheimer hat seine Heimat sein Leben lang vermisst. Nach seinem Tod hat sich Rossmer intensiv mit den Aufzeichnungen des Vaters mit seiner und ihrer Geburtsstadt beschäftigt.

Rossmer wuchs in New York in einer jüdisch-deutsch geprägten Community auf, zu den wichtigen Erinnerungsankern der Eltern und Nachbarn zählte das deutsche Essen bzw. die traditionelle fränkische Küche. Zusammen mit ihrer Tochter, der Fotografin Sonya Gropman, hat Rossmer ein ungewöhnliches Kochbuch geschrieben, das ein ungewöhnliches Erinnerungsbuch zum Nachkochen geworden ist.  

Das Angebot richtet sich an Erwachsene bzw. Jugendliche ab 14 Jahren.
VHS-Kursnummer 0508, Dozentin: Dr. Regina Hanemann

Eine Anmeldung bei der VHS Bamberg ist erforderlich und möglich
ab 19.03.2021 online über www.vhs-bamberg.de 
ab 23.03.2021 persönlich, schriftlich, telefonisch (0951/87-1108)

 

 

Veranstaltungsreihe „Jüdisches Leben in Bamberg - eine Spurensuche“ (immer donnerstags im Oktober), Historisches Museum Bamberg, alte Hofhaltung, Domplatz 7, 96047 Bamberg)

•    7. Oktober 2021, 17:00 Uhr – 18:00 Uhr – Historisches Museum: „Jüdische Lebenswelten“
Besamim, Chanukka und koschere Speisen: Was ist eigentlich jüdisch?“ Was ist das Besondere an Schabbat? Wofür benutzt man einen Thorazeiger? Und was unterscheidet Juden und Christen? Ausgehend von Werten, die beiden Religionen gemeinsam sind, sollen diese und viele weitere Fragen in der Auftaktveranstaltung der Reihe „Spurensuche“ diskutiert werden.

•    14. Oktober 2021, 17:00 Uhr – 18:00 Uhr – Historisches Museum: „Ecclesia und Synagoge im Dialog: Jüdisches Leben im Mittelalter“
Die beiden bekannten Figuren vom Fürstenportal des Bamberger Doms sind auch in der Ausstellung „Jüdisches in Bamberg“ präsent. Deutlich zeigen sie die Einstellung der Christen gegenüber ihren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im mittelalterlichen Bamberg. Die Führung wirft ein Schlaglicht auf Alltag und Konfliktpotential im christlich-jüdischen Umgang vergangener Jahrhunderte und erörtert die Bedeutung der Juden für die städtische Kultur und Gesellschaft.

•    21. Oktober 2021, 17:00 Uhr – 18:00 Uhr – Historisches Museum: „Joseph Marquard Treu, Adalbert Friedrich Marcus und Franz Ludwig von Hornthal: Konversion = Karriere?“
In den Jahren am Ende des Fürstbistums Bamberg markieren kulturelle Entwicklungen, wissenschaftliche und technische Erfindungen den Beginn eines neuen Zeitalters. Treu, Marcus und von Hornthal, deren Wirken einen wesentlichen Anteil am Aufschwung Bambergs hatte und noch heute in Bamberg präsent ist, werden vorgestellt. Ihre Lebensentwürfe stehen exemplarisch für die Situation zwischen Ansehen und Anerkennung auf der einen Seite, Verleumdung und Diskriminierung andererseits.

•    28. Oktober 2021, 17:00 Uhr- 18:00 Uhr – Historisches Museum:
„Mina Barthel, Erika Löbl, Familie Roßheimer, Margot Herrmann, geb. Wassermann: Jüdische Lebenswege im nationalsozialistischen Deutschland“

Durch persönliche Erinnerungen, wie im Fall Margot Herrmanns, oder in den Tagebucheinträgen Erika Löbls wird Geschichte hautnah erlebbar. Die gesellschaftliche Polarisierung und der Ausgrenzungsprozess jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger in den 30er Jahren werden analysiert und mit den aktuellen Entwicklungen heute verglichen.

 

und zum Abschluss:
Sonntag, 7. November 2021, 14:00 – 18:00 Uhr – Historisches Museum:
Familiennachmittag mit Vorstellung des deutsch-jüdischen Kochbuchs von Gabrielle Rossmer

Die US-amerikanische, jüdische Künstlerin Gabrielle Rossmer will mit ihrem deutsch-jüdischen Kochbuch "Kultur aufbewahren und auch kleine Geschichten erzählen", wie sie selbst sagt. Sie ist dafür gemeinsam mit ihrer Tochter Sonya auf die Suche nach alten Rezepten gegangen, besonders mit Elementen aus jüdischen Haushalten vor dem Holocaust. Bei der Vorstellung ihres Kochbuchs werden kleine kulinarische Kostproben gereicht. Gabrielle Rossmer wurde 1938 als Gabriele Roßheimer in Bamberg geboren. 1939 flohen die Eltern vor den Nationalsozialisten in die USA, Gabrielle wuchs in New York auf. Zwei ihrer Objekte als renommierter Bildhauerin befinden sich mittlerweile im Besitz der Museen der Stadt Bamberg und sind in der Ausstellung "Jüdisches in Bamberg" zu sehen: „The Document Wall“ und „Bamberger Synagoge 1938“.

Für Kinder gibt es natürlich auch ein Programm: Sie können Geschichten zum jüdischen Lichterfest Chanukka lauschen und erfahren, was es mit dem Dreidel-Spiel auf sich hat. Wie man sich einen einfachen Dreidel selbst basteln kann und wie man damit spielt, können sie im Bastelworkshop ausprobieren.

 

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Siehe auch Dokumentationszentrum zur Mikwe Bamberg