Ernst Stewner – Ein Deutscher Fotograf in Polen

16. Juni 2018 bis 29. Juli 2018

Der Fotograf Ernst Stewner (1907-1996) gehört zu den herausragenden Vertretern der Fotografie in Posen und Großpolen zwischen 1932 und 1945, dessen fotografisches Werk sich kriegsbedingt nur bruchstückhaft überliefert hat.

Gezeigt werden originale Abzüge und zeitgenössische Bilder, die von den wiederaufgefundenen Negativen hergestellt wurden. Die Motive wurden in Themengruppen geteilt, die die Stadt Posen, polnische Städte, Großpolen, ethnografische Fotos und Porträts zeigen. Begleitend zur Ausstellung wurde ein zweisprachiger Katalog veröffentlicht, der neben Texten, Essays und Abhandlungen polnischer und deutscher Forscher und Kunsthistoriker zu den Werken Ernst Stewners auch eine Auswahl von 160 Fotos des Künstlers beinhaltet.

Ernst Stewner wurde 1907 in Wolhynien (heute Ukraine) in eine Familie deutscher Kolonisten geboren. Er war sich seiner deutschen Herkunft bewusst und entschied sich für das Leben in Polen, wo er in der Zwischenkriegszeit aktiv am künstler-ischen Leben teilnahm. Nach Kriegsausbruch und Eingliederung Posens in das Deutsche Reich übernahm er das größte Fotoatelier der Zweiten Polnischen Republik von Kazimierz Greger, der in das Generalgouvernement ausgesiedelt wurde. Als neuer Inhaber baute er den Betrieb wesentlich aus, pflegte dabei aber trotz erschwerter Bedingungen in der Zeit der deutschen Okkupation Polens gute Beziehungen zu seinen polnischen Mitarbeitern.

Mit Kriegsende verließ Stewner jedoch Polen zwangsweise und ließ sich in Nienburg an der Weser nieder. Sein fotografisches Werk bildet verschiedene polnische Städte und Landschaften ab. Im Mittelpunkt steht dabei die Stadt Posen. Bei seinen Reisen durch das Land porträtierte er Menschen verschiedenster Volksgruppen. Häufig zeigt er sie in Alltagssituationen oder bei der Arbeit. Dabei traf er auch auf die „Posener Bamberger“, Nachkommen fränkischer Einwanderer, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Umgebung von Posen angesiedelt wurden, um dort Ackerbau zu betreiben. Sie sind der Anlass, Ernst Stewners Werk in Bamberg zu zeigen.

Im Frühjahr 2010 wurden rund 1.200 Bilder in der Privatsammlung der Tochter des Künstlers in Berlin wiederentdeckt. Dieser Teil seines Oeuvres war Ende 1944 von Stewner selbst wegen der aufziehenden sowjetischen Armee zunächst aus Posen nach Stettin evakuiert und im Februar 1945 von dort in den Westen Deutschlands verbracht worden. Seit dieser Zeit wurde die Sammlung im familiären Umfeld aufbewahrt. Inzwischen befindet sie sich als Bestand im Bildarchiv des Herder-Instituts für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg und wurde Ende 2014 in Posen zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert.
 

Ernst Stewner |  Vita

22. Februar 1907 geboren in Shelesnitza, Wolhynien (ehem. Ostpolen, heute Ukraine)
1923-1927 Evangelisches Lehrerseminar in Schlesien, anschließend als Privatlehrer in der Region Großpolen tätig
1930-1938 Redakteur im Lutherverlag Posen
1932 Teilnahme an der ersten Gesamtpolnischen Ausstellung der Kunstfotografie in Krakau, danach bis 1939 jährlich mehrere Teilnahmen und Preise an Fotoausstellungen in Polen
1938 Heirat mit Christel Peschken, Wohnsitz in Posen
Ab Herbst 1939 Kommissarischer Verwalter der Firma „Foto Greger“ in Posen,
September 1940 Übernahme der Firma
1941 Eröffnung „Foto Stewner“
1944 Einberufung zur Wehrmacht, Einsatz als Spezialist für Fotografie und Film sowie als Schreiber
Januar 1945 Flucht der Familie Stewner nach Thüringen ohne den im Lazarett befindlichen Ernst Stewner, der Posen kurz darauf mit dem letzten Lazarettzug nach Eutin verlässt
Ab Juli 1945 Kaufmännischer Leiter und Teilhaber der Firma Heinrich Ratjen (später Peschken-Stewner GmbH & Co. KG) in Nienburg an der Weser
Seit 1955 Besuche bei früheren Mitarbeitern in Posen sowie Besuche dieser Mitarbeiter in Nienburg
1969 Verkauf der Firma Peschken-Stewner
1985 Gründung der Ernst-Stewner-Stiftung
1970-1995 Reisen in verschiedene Länder mit Erstellung umfangreicher Diaserien für Vorträge
26. November 1996 in Nienburg an der Weser verstorben
 

Begleitveranstaltung zur Ausstellung
Samstag, 21.7.2018, 14 - 17 Uhr | Fotoworkshop
Wie werden aus Schnappschüssen interessante Bilder? Die Fotografin Lara Müller gibt Tipps und verrät Tricks, wie mit dem richtigen Blick „durch die Linse“ schöne Fotos entstehen. Erste Anregungen können die TeilnehmerInnen bei einer Einführung in der Ausstellung „Ernst Stewner. Ein deutscher Fotograf aus Polen“ sammeln. Danach geht es auf Motivsuche durch die Gassen der Bamberger Altstadt. Bitte bringen Sie eine digitale Kamera oder ein Smartphone mit.
Offen für alle Altersstufen!  I  Dauer: 3 h  I  Preis: 20 €
Nur nach Voranmeldung unter museum@stadt.bamberg.de oder telefonisch 0951/87-1150. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Treffpunkt ist an der Kasse, Villa Dessauer.

MUSEEN DER STADT BAMBERG
Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer
Hainstr. 4a,  96047 Bamberg
Tel. +49 (0)951. 87 1861 (Kasse),  +49 (0)951.87 1142 (Verwaltung)
www.museum.bamberg.demuseum@stadt.bamberg.de

Nur während der Sonderausstellungen! | Do-So  u. feiertags  12-18 Uhr | Eintritt Erwachsene 6 € │ ermäßigt 5 € │ Studierende 2,50 € │ Schüler 1 € │ Familien 12 € | Schwerbehinderte GdB 50  2,50 €  (bei  Schwerbehinderten mit dem Eintrag „B"  hat die Begleitperson freien Eintritt.
Jeden ersten Sonntag im Monat freier Eintritt für Familien sowie dienstags für angemeldete Schulklassen, angemeldete Gruppenführungen: bis 15 Personen 60 € pauschal zzgl. Eintritt, ab 15 Personen 4 € pro Person zzgl. Eintritt). Bedauerlicherweise  ist die Villa Dessauer nicht barrierefrei zugänglich!