Museum auf dem Sofa

Grün oder weiß?

Die bayerische Spargel-Saison wurde heuer offiziell am 12. April mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber in Untereuerheim im Landkreis Schweinfurt eröffnet. Warum eigentlich wird jedes Jahr so viel Wind um das Stangengemüse gemacht? Die Presse überschlägt sich mit Synonymen wie „Königsgemüse“ und „weißes Gold“, wir werden überflutet von Rezepten und Ratschlägen zu Kauf und Verbrauch, es scheint kein Entkommen zu geben.

 

Ein Spargel für den Adel

Anbau und Ernte sind anspruchsvoll und aufwendig, das erklärt den Preis, die Saison ist begrenzt, das macht den Spargel zu etwas besonderem und nicht zuletzt ist es das erste einheimische frische Gemüse des Jahres. Grund genug für viele, sich jedes Jahr dem Genuss hinzugeben.

Ein Blick zurück zeigt, dass Spargel von der Renaissance bis ins 19. Jahrhundert ein Luxusgemüse und deswegen den aristokratischen Kreisen vorbehalten war.

Zeugnisse der Esskultur der höfischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert sind zwei Spargelbündel, die wir heute vorstellen: einmal aus Fayence, das andere Mal aus Porzellan, jeweils hübsch zusammengehalten von Bändern. Nur Deko? Nein, wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass es sich um Deckeldosen handelt, die raffiniert das Auge täuschen und erst auf den zweiten Blick ihre Funktion offenbaren. Darin wurden bei großen Spargel-Festessen Butter und Soßen gereicht. Der Schlitz zwischen Unterteil und Deckel ist kaum zu bemerken, da er sich zwischen zwei gerade liegenden Spargelstangen befindet.

Die erste ist aus Fayence, die Stangen werden von zwei braunen Schnüren zusammengehalten. Der Spargel ist im unteren Drittel weiß, in den oberen zwei Dritteln grün, die Köpfe haben rot-violette Spitzen. Die andere ist aus Porzellan, die Spargelstangen sind in hellen Gelbtönen, die Spitzen in Rosa und verschiedenen zarten Grüntönen bemalt. Die Feinheit des Reliefs, die bei Porzellan im Gegensatz zur Fayence möglich ist, wurde genutzt, um die Oberflächenstruktur der Spargelstangen sehr genau nachzubilden. Das in zwei Ockertönen gestreifte, knittrige Band, das die Stangen umschließt, belebt das ansonsten sehr streng gebildete und zart kolorierte Werk. Die Schleife dient zudem als Griff für den Deckel. So verbinden sich der illusionistische Effekt, die harmonische Gestaltung und selbst die Zweckmäßigkeit bei diesem Objekt auf glückliche Weise miteinander.

 

Ein Spargel, zwei Farben

Die beiden Bündel mit weißem bzw. grünem Spargel zeigen nicht unterschiedliche Sorten, sondern unterschiedliche Anbauarten.

Lange Zeit waren vor allem die weißen Stangen begehrt: Die Triebe wachsen unterirdisch und werden durch Erdwälle vor dem Sonnenlicht geschützt. Sie bleiben so lange weiß, bis sie aus dem Erdboden wachsen. Im Sonnenlicht verfärben sich die Spargelstangen zunächst ins Violette, um dann grün zu werden. Lange galt hierzulande der Bleichspargel als edler., Mittlerweile jedoch macht sich auf unseren Märkten auch grüner Spargel breit, wie er z.B. in Frankreich schon lange geläufig ist.

Jetzt wünschen wir guten Appetit, es gilt, die Zeit zu nutzen, denn am 24. Juni, dem Fest des hl. Johannes, ist die Spargelsaison beendet. Danach muss die Pflanze ruhen, um wieder Kraft zu schöpfen für das nächste Jahr. Als Faustregel kann man sich auch die fränkische Bauernregel merken, die knapp und trocken sagt: „Kirschen rot, Spargel tot“.

 

 

16. April 2021