Museum auf dem Sofa

Für die Ewigkeit gemalt – Das Schmidt’sche Porzellan- und Malerinstitut in Bamberg

Ein im 19. Jahrhundert weltweit bedeutendes Institut seiner Art ist heute kaum noch bekannt und wenn, vermutlich nur noch in Fachkreisen. Die Rede ist vom Schmidt´schen Porzellan- und Malerinstitut in Bamberg. Neben König Ludwig I. von Bayern zählten unter anderem auch Queen Victoria, König Wilhelm von Württemberg oder Graf von Schönborn zum Kundenstamm des Unternehmens.

 

Auf zu neuen Ufern

Carl Schmidt (1791 in Saalfeld in Thüringen ­­­– 1874 in Bamberg) hatte während seiner Wanderschaft 1811 das Malen auf Porzellan in entsprechenden Werkstätten in Würzburg, in Ludwigsburg und in Bruckberg erlernt. Zunächst staffierte er Pfeifenköpfe und verkaufte sie 1814 vor allem in Universitätsstädten. 1818 gründete Schmidt in Coburg eine Porzellanmalwerkstatt, in der er sogar erste Angestellte verzeichnen konnte und in seiner angegliederten Mal- und Zeichenschule ausbildete.

1833 verlegte er das Unternehmen nach Bamberg auf den Jakobsberg (Jakobsplatz 14). Grund dafür waren Unruhen in Coburg in Folge der Julirevolution von 1830 in Frankreich und die daraus resultierenden Aufstände in Rheinbayern 1832, in deren Verlauf zwei von Schmidts Porzellanmalern verhaftet wurden. Der Standort in Bamberg erwies sich nicht nur aufgrund der guten Handelslage als günstig, sondern auch, da die in der Nähe gelegene Gemäldegalerie des Grafen von Schönborn in Schloss Weißenstein in Pommersfelden die Möglichkeit bot, Originalbilder auf Porzellanplatten zu reproduzieren und zu verkaufen. Das weiße Gold selbst bezog das Unternehmen als Weißware aus Berlin (KPM) und aus Bayern, darunter auch von Porzellanmanufakturen aus näherer Umgebung von Bamberg. In der Stadt selbst waren allerdings noch drei weitere Porzellanmalwerkstätten ansässig, gegen die es sich nun zu behaupten hieß. Doch konnte das Schmidt’sche Porzellan- und Malinstitut sich durch seine qualitativen und detaillierten Arbeiten von der Konkurrenz abheben. 1861 erweiterte er sein Institut und ließ einen Bau am Jakobsplatz 13 errichten. 1872 erfolgte die Errichtung eines Brennhauses.

 

Auf der Überholspur

Die auf Porzellanplatten in herausragender Manier gemalten Kopien berühmter Gemälde machten das Institut über die Landesgrenzen hinaus bekannt, weshalb es sich auf dem Markt bald etablierte. Doch daneben erhielten auch Pfeifenköpfe, Tassen, Teller, Vasen und Broschen am Bamberger Institut ihre Bemalung.

Einer seiner berühmtesten Kunden war König Ludwig I. (1786 – 1868), der 1827 eine ganze Serie von Porzellanbildplatten in Auftrag gab. Dabei sollte es sich um eine Art Sicherheitskopien der Gemälde der Alten und Neuen Meister aus der königlichen Galerie in Nymphenburg handeln, falls die Originale einmal zerstört werden sollten. Natürlich kann auch eine Porzellanplatte einmal zu Bruch gehen, doch war es die grundlegende Idee, die Gemälde für die Nachwelt zu sichern, da im Gegensatz zu Öl auf Leinwand Porzellane den Gefahren von Kerzenruß, Sonnenlicht oder Wasser trotzen können. Der Auftrag Ludwigs I. an Carl Schmidt war schließlich ein Auslöser des großen Erfolgs seiner Werkstatt.

Queen Victoria (1819 – 1901) erwarb auf Anraten ihres Ehemanns Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819 – 1861) einige Porzellanbilder und schickte wertvolle Gemälde nach Bamberg, um diese auf Porzellanplatten kopieren zu lassen. Auch König Wilhelm von Württemberg war Kunde des Bamberger Unternehmens.

Auf verschiedenen Ausstellungen wurde das Schmidt’sche Porzellan- und Malerinstitut sogar ausgezeichnet. So erhielt das Unternehmen auf der Londoner Weltausstellung 1851 eine Preismedaille für die bemalte Ware. 1854 wurde ihm eine Ehrenmünze wegen der Arbeiten und der Ausbildung der Künstler verliehen. Es folgten Bronzemedaillen bei den Weltausstellungen in Paris 1855, in London 1862 und nochmals in Paris 1867. Außerdem hob sich das Institut noch bei weiteren Ausstellungen, besonders Industrieausstellungen, hervor.

Die Erzeugnisse aus dem Schmidt’schen Institut hoben sich durch ihre farbgetreue Wiedergabe insbesondere bezüglich der Gemäldekopien hervor. Die Schwierigkeit bestand nämlich darin, dass nach dem Brennen der bemalten Porzellane der Farbton im Unterschied zur aufgetragenen Farbe abwich. Doch aufgrund einer besonderen Rezeptur und der speziell ausgebildeten Maler konnte das Unternehmen eine herausragende Farbechtheit erzielen.

 

Wie gewonnen so zerronnen

Das Ende der Ära wurde 1923 durch die Abmeldung des Unternehmens besiegelt, das bereits seit 1914 seinen Betrieb eingestellt hatte. Der gewünschte gewinnbringende Umsatz blieb seit den 1870ern aus. Vermutlich hatte sich das Institut nicht oder sehr spät dem Geschmackswandel der Zeit angepasst. So ging beispielsweise die Nachfrage an bemalten Pfeifenköpfen zurück. Zudem löste die Fotografie die Nachfrage nach Kopien von Gemälden ab, obwohl sich eigentlich auch hier die Einflüsse von Ruß, Licht oder Wasser negativ auf die Ablichtungen auswirken. Ein weiterer und durchaus wichtiger Faktor war die Zollerhöhung von 1880, bei der weitere 60% auf Porzellane dazugerechnet werden mussten.

 

In Vergessenheit geraten

Das Schmidt’sche Porzellaninstitut geriet schließlich weitestgehend in Vergessenheit. Die Akten wurden in den 1930ern größtenteils vernichtet. Die Museen der Stadt Bamberg haben dem Unternehmen jedoch eine Erinnerungsstätte im Historischen Museum eingeräumt. Dort sind in der Ausstellung „Von der Romantik bis zur Gründerzeit | Bürgerkultur im 19. Jahrhundert in Bamberg“ einige Exponate der Sammlung der Museen präsentiert. Neben Porzellangemälden sind auch staffierte Pfeifenköpfe und bemaltes Geschirr zu bestaunen.

 

19. Februar 2021