Museum auf dem Sofa

Ein Prachtbau mit Hindernissen - Basilika Vierzehnheiligen

Die Basilika Vierzehnheiligen ist ein Glanzstück des fränkischen Rokokos. Die Wallfahrtskirche thront über Bad Staffelstein und begrüßt ihre Besucher schon von weitem. Ihre Pracht zeigt sich nicht nur von außen, sondern auch im Innenbereich. Doch bis dieses Meisterstück entstand, mussten viele Hürden genommen werden. Davon zeugen zahlreiche Objekte in den Museen der Stadt Bamberg.

 

Am Anfang steht ein Wunder

Zwischen 17. September 1445 und 2. Juli 1446 erschien dem Schäfer Hermann Leicht, der die Schafe des in der Nähe liegenden Klosters Langheim hütete, viermal das Christuskind, einmal war es von vierzehn kleinen Kindern umringt, die weiß-rot gekleidet waren. Sie forderten den Schäfer auf, an dieser Stelle eine Kapelle bauen zu lassen.

Zunächst entstand eine kleine Kapelle, die 1456 soweit fertiggestellt war. Vierzehnheiligen entwickelte sich zu einem gern besuchten Wallfahrtsort. 1525, während der Bauernkriege, wurde die Kapelle ausgeplündert und niedergebrannt, anschließend aber wiederaufgebaut. Gleiches geschah im 30jährigen Krieg.

 

Wenn zwei sich streiten…

Unter Abt Stephan Mösinger (1697 in Haßfurt – 1751 in Langheim) aus dem Kloster Langheim sowie dem seit 1729 amtierenden Bamberger und Würzburger Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn (1674 in Mainz – 1746 in Würzburg) fasste man schließlich den Entschluss, eine neue Kirche zu bauen, da die zu diesem Zeitpunkt existierende Kapelle mittlerweile baufällig war. Die Stelle der Erscheinung sollte durch einen Gnadenaltar ausgezeichnet werden (Abb. 2). Im Jahr 1737 wurde dem Bauherrn Mösinger ein Plan vorgelegt, der aber leider verschollen ist. Nun beauftragte er den sächsischen Architekten Gottfried Heinrich Krohne (1703 in Dresden – 1756 in Weimar), der in Kloster Langheim schon einmal tätig gewesen war. Friedrich Carl von Schönborn lehnte jedoch die Pläne von Krohne ab und beauftragte seinen Hofarchitekten Johann Jacob Michael Küchel (1703 in Bamberg – ­1769 in Bamberg). Diese Pläne fanden wiederum keine Zustimmung bei Abt Stephan Mösinger, vermutlich als Retourkutsche für die Ablehnung der Pläne seines Architekten Krohne durch den Fürstbischof. Nun kam ein dritter Architekt ins Spiel: Balthasar Neumann (1687 in Eger – 1753 in Würzburg). Einer seiner Entwürfe wurde 1742 unterzeichnet.

 

Baustelle mit Hindernissen

Da sich nach Baubeginn ziemlich schnell weder Neumann noch Friedrich Carl von Schönborn an der Baustelle aufhielten, zog Abt Stephan Mösinger heimlich 1742/43 Gottfried Heinrich Krohne hinzu. Er wollte, dass Krohne Neumanns Pläne zwar beibehält, aber diese trotzdem kostensparend leicht verändert.

Der Grundstein wurde offiziell am 23. April 1743, am Fest des Nothelfers Georg, gelegt, doch gebaut wurde schon seit 1742. Die Kirche sollte einen schnellen Baufortschritt haben, bevor der Fürstbischof von Bamberg von den Änderungen des Planes erfuhr. Die Bauleitung hatte der Staffelsteiner Maurer- und Steinhauermeister Johann Thomas Nißler (1713 – 1769) inne.

Im Dezember 1743 wurde der Fürstbischof nach einer Audienz mit dem Abt misstrauisch und bat Neumann, die Baustelle zu inspizieren. Dieser schrieb nach Besichtigung des Baus sowohl Schönborn als auch Mösinger, dass er mehrere Mängel und erhebliche Veränderungen vorgefunden habe. Es folgte schließlich ein Baustopp. Auch Friedrich Carl von Schönborn war erzürnt über die eigenständigen Maßnahmen des Abtes. Allerdings wollte er auch nicht den kürzlich erlangten Frieden zwischen Kloster Langheim und Hochstift Bamberg riskieren und so machte man, obwohl Abt Stephan der Schuldige war, den Architekten Gottfried Heinrich Krohne zum Verantwortlichen der Misere.

Zu guter Letzt mischte sich auch noch Maximilian von Welsch (1671 in Kronach – 1745 in Mainz), der kaiserliche General und Architekt des vorherigen Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn ein, und lieferte einen Entwurf für die Wallfahrtskirche in Einbeziehung der bis dato fertiggestellten Bauarbeiten. Wer ihn hinzugezogen hat ist nicht bekannt, doch wurden seine Pläne verworfen, da Abt Stephan Mösinger diesen Auftrag aufgrund zu großer Umbauarbeiten ablehnte. 

Balthasar Neumann war indessen über die Situation sehr verärgert und wollte mit dem Projekt nichts mehr zu tun haben, doch der Fürstbischof konnte ihn noch einmal umstimmen. Deshalb lieferte Neumann einen weiteren Entwurf, der 1744 fertiggestellt war. Im Zuge dieser Planung entstand wohl auch das Modell von Vierzehnheiligen aus dem Baubüro Balthasar Neumanns, welches sich in der Abteilung 100 Meisterwerke | Von Lucas Cranach über Pieter Breughel zu Otto Modersohn im Historischen Museum präsentiert (Abb. 3). Am 15. April 1744 nahm man die Bauarbeiten wieder auf. 

Der Wessobrunner Künstlertrupp unter der Leitung des Augsburger Johann Michael Feichtmayr (1709 in Wessobrunn – 1772 in Augsburg) arbeitete an den Stuckaturen und Altären. Für die Innenausmalung und Altarbilder hatte man den kurfürstlichen Hofmaler Giuseppe Appiani (1706 –1785 in Triefenstein) engagiert. Die Fertigstellung sollte aber erst 1772 erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt waren Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn, Abt Stephan Mösinger, Architekt Balthasar Neumann und Bauleiter Johann Thomas Nißler bereits verstorben. Am 14. September weihte der mittlerweile amtierende Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1708 – 1779 in Würzburg) unter dem Abt Malachias Limmer (1712 in Kronach – 1774 in Trieb) die Kirche ein.

 

Die Katastrophe

Am Festtag der Bistumspatronin Kunigunde, den 3. März 1835, gewitterte es plötzlich bei Sturm und Schneegestöber heftig. Um 16 Uhr schlug ein Blitz ein und aus einem Turm der Kirche schlugen Flammen auf. Fleißige Helfer versuchten gegen das Unwetter und die Flammen anzukämpfen, doch das Feuer arbeitete sich weiter in den Dachstuhl und auch in den anderen Turm (Abb. 4). Bis weit über Mitternacht dauert es, bis die tapfere Truppe dem Feuer Einhalt gebieten konnte. Der Schaden war beträchtlich und dennoch die komplette Zerstörung abgewendet: die beiden Türme waren ausgebrannt, der Dachstuhl vollkommen zerstört, die Orgel und die Glocken geschmolzen sowie kleinere Beschädigungen zu verzeichnen. Doch der Gnadenaltar, die Altarblätter, die Kanzel und die Deckenfresken trotzen dem Brand und waren gerettet - zumindest vorerst. Es folgte die zweite Katastrophe, denn das Notdach bestand aus einfachen Brettern, die dem Regen nicht standhielten und das Schicksal nahm seinen Lauf. Am Gründonnerstag tropfte es schließlich auf die Köpfe der Gottesdienstbesucher, die schlagartig den Raum verließen. Appianis Fresken waren das erste Opfer und es folgten noch weitere. Denn das Dach, das die Wallfahrtskirche 1838 erhielt, war zu niedrig und zu schmal und diente auch nur als Notlösung (Abb. 5). In der Kirche lief nun das Wasser die Wände herunter und zerstörte Stuck und Malereien. Schimmel und Moder machte sich breit.

Erst ab 1848 begannen die Restaurierungsmaßnahmen im Kircheninnern. Der Historienmaler Augustin Palme (1808 in Rochlitz an der Iser – 1897 in München) übermalte von 1849 bis 1871 die Deckenfresken und sollte neue Altarbilder anfertigen. In der der Abteilung 100 Meisterwerke | Von Lucas Cranach über Pieter Breughel zu Otto Modersohn und in der Abteilung Von der Romantik bis zur Gründerzeit | Bürgerkultur im 19. Jahrhundert in Bamberg im Historischen Museum Bamberg befinden sich die Entwürfe der Deckengemälde von Palme (Abb. 6-8). Sie sind heute Zeugnis der ehemaligen Fresken Palmes in der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, denn mitten im Ersten Weltkrieg wurden die Deckenmalereien Appianis durch den Maler und Restaurator Anton Ranzinger (1850 in Regen – 1924 in München) freigelegt und rekonstruiert. Heute findet man im Kirchenraum nur noch wenige Gemälde Palmes.

 

Ein Prachtbau bis heute

Die Wallfahrtkirche Vierzehnheiligen wurde 1897 von Papst Leo XIII. (1810 in Carpineto Romano – 1903 in Rom) sogar zur Basilika (minor) ernannt. Als Zeugnis des fränkischen Rokokos ist sie ist in der Kunstgeschichte von immenser Bedeutung. Zahlreiche Pilger und Touristen besuchen das harmonische Gesamtkunstwerk jährlich. Keiner ahnt den steinernen Weg, die die Kirche hinter sich hat, um im heutigen Glanz zu erstrahlen.

 

18. Dezember 2020