Museum auf dem Sofa

9. Juni 2021: Müllerzunftbecher

1825

Glas, Emailmalerei, Zinn

Inv. Nr. 6/47

 

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...“ Dass das Wasser die Quelle des Lebens darstellt, ist eine altbekannte Weisheit. Doch in Bamberg stimmt dieser Spruch auf doppelte Weise, dienten die Regnitz und ihre Seitenarme doch den unterschiedlichsten Gewerken und damit dem Wohlstand der Stadt.

Von der langen Tradition und dem Stolz des Müllerhandwerks zeugen in Bamberg nicht nur die erhaltenen Mühlenkomplexe, sondern auch die in ihrer Art ganz unterschiedlichen Objekte im Museum, wie dieser gläserne Bierkrug aus dem Jahre 1825 mit seiner plakativen Bemalung:

Zentral steht das Zunftwappen der Bamberger Müller, eingerahmt von zwei Löwen, welche die Krone tragen. Das Zunftwappen besteht aus einer Kombination von Zirkel, Winkeleisen, Mühlrad und den so genannten Hauen. Mit der Säkularisation (1803) versuchte der bayerische Staat den Zünften ihren Einfluss zu nehmen und dies gelang ihm auch im Jahr 1825, im gleichen Jahr also, in dem auch unser Glaskrug entstand. Gemeinsam mit der beginnenden Industrialisierung und den immer lauter werdenden Rufen nach Gewerbefreiheit verschärften sich die Gegensätze zwischen den liberalen und traditionstreuen Parteien innerhalb des Handwerks, von denen besonders die Handwerksgesellen betroffen waren. Erst 1869 klärten sich mit der Abschaffung des Zunftzwangs die Verhältnisse innerhalb des bayerischen Handwerks. Vor diesem historischen Hintergrund erscheint der Krug als ein Zeichen des Aufbäumens, in dem die Müller ihr Handwerk noch ein letztes Mal hochleben lassen: „Vivat das Ehrbahre Müller Hand Werk!“

Das Objekt kann man in der Dauerausstellung Im Fluss der Geschichte | Bambergs Lebensader Regnitz im Historischen Museum Bamberg besuchen und dort noch viel mehr über das Handwerk in Bamberg erfahren.