Museum auf dem Sofa

7. April 2021: Porträt Betty Goldschmidt

Fr. Bruner, 1885

Öl auf Leinwand, 123 x 83 cm

Inv. Nr. 1133

 

Was für eine vornehme Frau! Bis ins Detail fasziniert ihre prachtvolle Bekleidung, die der Maler Fr. Bruner absolut gekonnt ins Bild setzt: Der lange, dunkle Pelzmantel sieht so weich und glatt aus, dass man hineingreifen möchte. Der Brokatstoff des blaugrauen Kleides fasziniert durch seinen matten Glanz und die Spitze, die Hals und Handgelenke umspielt, durch ihre Feinheit. Der Schmuck aus Ohrringen, Armreif und Ring ist von zurückhaltender Eleganz.

Die Porträtierte, Betty Goldschmidt, geb. Kronacher (1853–1913) entstammte, wie ihr Mann Joseph Goldschmidt (1843–1912), einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie in Bamberg. Das Bild zeigt sie im Alter von 32 Jahren. Das Paar hatte sechs Kinder. Betty Goldschmidt starb kurz nach ihrem Ehemann im Jahr 1913. Das Grab der Eheleute ist noch heute auf dem Jüdischen Friedhof in Bamberg zu finden. Die Nachkommen von Betty Goldschmidt mussten während des Nazi-Regimes aus Deutschland fliehen. Das Porträt wurde in Bamberg bei ehemaligen Hausangestellten eingelagert und blieb so erhalten. Das Pendant dagegen, das Betty Goldschmidts Ehemann zeigte, nahm die Familie mit nach Südamerika, wo es den klimatischen Bedingungen zum Opfer fiel.

Seit 2001 befindet sich das Porträt als Dauerleihgabe in den Museen der Stadt Bamberg. 2021 ist es nach dem Tod des Leihgebers in den Besitz der Museen übergegangen.