Museum auf dem Sofa

28. April 2021: Badeanstalt des Dr. Lautenbacher

Ludwig Neureuther (zugeschrieben), um 1845

Radierung, Inv. Nr. Gr 624

 

Ein eigenes Badezimmer hatten bis ins 20. Jahrhundert hinein nur die wenigsten Menschen. Man besuchte sogenannte Badeanstalten und später Volksbäder. In diesem Sinne erinnert das Museumsobjekt der Woche heute an die ehemalige Badeanstalt auf der Geyerswörthinsel. 1817 erwarb der königliche Rat Dr. Franz Xaver Lautenbacher, Leibarzt des Herzogs Wilhelm in Bayern (1752—1837), die beiden Gartenpavillons des Schlosses Geyerswörth. Hier ließ er seine Vision einer Badestube Wirklichkeit werden und veranlasste 1818 den Ausbau der beiden Gebäude nicht zuletzt mithilfe eines Verbindungsbaus zu einer Wannenbadeanstalt mit insgesamt neun Badezellen. Die Radierung präsentiert nun das Ergebnis mitsamt dem dazugehörigen Garten, in welchem Mitglieder des gehobenen Bürgerstandes promenieren und ein Gärtner gerade dabei ist die Anlage zu pflegen. Hinter dem niedrigen Verbindungstrakt erkennt man einen Teil des Schlosses Geyerswörth und auch die vier Türme des Bamberger Doms spitzen hinter einem der Gartenpavillons hervor. Der Sohn des Arztes, Pius August Lautenbacher, leitete noch bis zu seinem Tod die Badeanstalt. Schließlich entstand mit dem Stadtbad 1896 ein Neubau unter städtischer Leitung – und zwar genau dort, wo in der Graphik der Betrachterstandpunkt anzusiedeln ist. Heute befindet sich in diesem Gebäude die Touristeninformation. Der Gebäudekomplex der ehemaligen Badeanstalt ist auch noch vorhanden. Der Platz ist immer noch parkähnlich angelegt, unter ihm befindet sich seit 1983 eine Tiefgarage. Das Aussehen des Verbindungstraktes hat sich im Lauf der Zeit etwas verändert.