Museum auf dem Sofa

18. November 2020: Innenansicht des Bamberger Domes

Georg Adam Arnold, 1665/69

Öl auf Leinwand

Historischer Verein, Inv.-Nr. HVB 85

 

Das Aussehen des Bamberger Domes und seiner Innenausstattung hat sich im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt. Davon zeugen Spuren am Ort des Geschehens selbst, zahlreiche Schriften und bildliche Zeugnisse wie das Gemälde von Georg Adam Arnold (1645-1711).

Gezeigt wird ein Großteil der Innansicht des Domes nach der durchgreifenden Erneuerung ab 1648 unter Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653). Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges lag die Bischofskirche brach, so dass der Dom „eher einem Schweinkoben denn einem Gotteshaus glich“. Ein großangelegtes Renovierungsprojekt wurde losgetreten. Dafür konnte man unter anderem den hervorragenden Frankfurter Bildhauer Justus Glesker (gest. 1678) gewinnen, der die einheitliche Konzeption der barocken Innenausstattung erarbeitete und ausführte (1648-53). Einige Jahre später gab Georg Adam Arnold in beinahe pedantischer Manier das Mittelschiff und den anschließenden Ostchor in seinem damaligen Zustand malerisch wieder. Dem Betrachter wird ein erhöhter Standpunkt gewährt und das Auge kann so über die prächtige Ausstattung schweifen. Stationen dieser „Bildungsreise“ durch das Gemälde und richtige Eyecatcher sind die pompös gearbeiteten Seitenaltäre, die Kanzel von 1579/80, die im Sinne des Barocks an- und abschwellende Orgelempore – fertiggestellt im Jahre 1610, der Bamberger Reiter und die Kreuzigungsgruppe von Glesker. In monochrom leuchtendem Senfgelb präsentiert sich dahinter der Georgenaltar, dessen Säulentabernakel dem Confessio-Altar Giovanni Berninis im Petersdom in Rom nachempfunden wurde. Flanierende Menschen im Sonntagsstaat und sogar Hunde beleben die Szene und sorgen dafür, dass der Betrachter ein Verständnis von den dortigen Größenverhältnissen gewinnt. Abgefangen wird der Blick zum einen durch das Rippengewölbe, dessen Scheitelpunkte von auffallenden Schlusssteinen markiert werden - der größte am Triumphbogen mit dem Wappen des Fürstbischofs Valentin Voit von Rieneck -  und zum anderen durch den locker gerafften Vorhang in den Zwickeln des Bildes.