Museum auf dem Sofa

26. August 2020: Bourdalou

Sceaux, um 1763–72

Fayence, polychrom bemalt

Sammlung Ludwig, Inv. Nr. L 529

 

Der Tag des Toilettenpapiers muss dieses Jahr besonders gewürdigt werden, insgeheim kann man fast sagen, 2020 ist sein Jahr. Es hat wohl nie in seiner Geschichte mehr Aufmerksamkeit erfahren als zur Corona-Zeit. Leider haben wir kein historisches Toilettenpapier in unserem Bestand. Dafür aber ein sehr spezifisches Uringefäß, das Damen des 18. Jahrhunderts im täglichen Leben benutzten. Der sogenannte Bourdalou kam der Frau von damals sehr gelegen: Sie trug keine Unterhose und konnte so bequem mit der einen Hand den Rock raffen und mit der anderen den Bourdalou zwischen die Schenkel schieben. Seinen Namen erhielt das Gefäß nach dem französischen Jesuiten Louis Bourdalou (1632–1704), der für seine stundenlangen Predigten bekannt war.

Unser Exemplar ist aus Fayence und entstand um 1763–72 wohl in Sceaux. Der Bourdalou ist muschelartig geformt, an einer seiner Schmalseite ist ein Asthenkel zur Handhabe angebracht. Die Außenwandung ziert ein polychromes Blumenbukett. Die Innenseite des Gefäßes ist dagegen etwas frivol, denn sie schmückt ein Auge mit der Beischrift „A petit coquin je te vois“ (Ah, kleiner Schelm, ich sehe dich).