Museum auf dem Sofa

23. September 2020: Brautkrone

Pinzberg, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Metall, Baumwolle, Seide, Glas, Wolle

Museen der Stadt Bamberg, Inv. Nr. 9/25

 

Wenn sie von einer Braut getragen wird, ist es eigentlich schon ihr letzter Einsatz, denn die sogenannte Brautkrone ist das unübersehbare Erkennungszeichen der unverheirateten Frau. Für den Alltag zu unpraktisch und vor allem viel zu kostbar wurde die Brautkrone nur an besonderen Tagen ausgeführt, oft zum ersten Mal bei der Erstkommunion, zu der sie von der eigenen Mutter oder Patin vererbt wurde. Eine besondere Rolle spielen die Brautkronen in der Festtagstracht der Fränkischen Schweiz, wo sie, völlig zu Recht, auch als „Hoher Kranz“ bezeichnet werden. Unser Exemplar aus Pinzberg entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden die Kronen besonders groß und üppig gestaltet. Insgesamt ist diese Krone etwa 19 cm hoch, der Durchmesser beträgt 28 cm.

Die eingesetzten Materialien sind einfach, die Verarbeitung dagegen sehr aufwendig: Grundgerüst ist ein Gestell mit zwei Ringen. Der obere Ring ist mit Schnüren umwickelt, an denen Drähte befestigt sind. Diese Drähte sind an den Enden mit goldfarbenen Plättchen in Form kleiner Sonnen sowie gold- und silberfarbenen Bouillondrähten, farbigen Metallfolien, Glaskugeln und -perlen versehen. Der untere Reif - der Kopfaufsatz - ist innen mit einem roten Wollgewebe versehen und außen mit einem braunen Baumwollsamt bezogen. An der Unterseite des Kopfaufsatzes sind rote Seidenbändern mit einem floralen Muster angebracht. Diese Bänder werden zur Befestigung um den Kopf der Trägerin gewickelt, die Enden hängen bis in den mittleren Rücken herunter.