Museum auf dem Sofa

22. Oktober 2020: Emanuel und Sophie Dessauer

Hans Kundmüller, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Öl auf Leinwand

Villa Dessauer, Inv. Nr. 799D und 800D

 

Im sogenannten Kaminzimmer der Villa Dessauer hängen die Porträts von Emanuel (1811-1880) und Sophie Dessauer (1817-1884). In Auftrag gegeben wurden die Bilder 1880 beim Porträtmaler Hans Kundmüller (1837-1893). Das Bilderpaar, verschwand in den Wirren des Dritten Reichs und tauchte erst 1973 auf einem Bamberger Dachboden wieder auf.

Emanuel Dessauer, geboren 1811 in Demmelsdorf, zog um 1820 mit seinen Eltern nach Bamberg. Am 18. Januar 1839 heiratete er Sophie. Die Mitgift seiner Frau ermöglichte es Emanuel Dessauer einen Spezerei- und Kolonialwarenhandel zu eröffnen. Im Laufe der Zeit bewirtschaftete Emanuel Dessauer auch eine Brauerei am Stephansberg und die Gastwirtschaft “Zum Steinernen Haus” in der Langen Straße.

Einen großen Aufschwung seiner Geschäfte erlebte Emanuel Dessauer ab 1845: In diesem Jahr wurde Bamberg durch den Bau der Nord-Süd-Bahn zu einem wichtigen Handelsknotenpunkt. Gemeinsam mit anderen jüdischen Geschäftsleuten, gelang es ihm, Bamberg zu einem großen europäischen Hopfenhandelszentrum zu machen.

Durch den Hopfenhandel reich geworden, ließ sich Emanuel Dessauer ab 1862 in der heutigen Hainstraße, Nr. 8, als erster Bamberger ein Haus bauen. Wurde er zu dieser Zeit noch wegen seines Mutes in den “Urwald” zu ziehen verspottet, stellte sich das Bild 50 Jahre später ganz anders dar: Die Hainstraße war eine “moderne vornehme Straße” geworden.

Das Ehepaar Emanuel und Sophie Dessauer hatte drei Kinder: Darunter den zweiten Sohn Carl Emanuel Dessauer, der es seinem Vater gleich tat und sich ab 1884 ebenfalls eine Villa in der Hainstraße errichten ließ, die heutige Stadtgalerie Bamberg Villa Dessauer.