Museum auf dem Sofa

2. September 2020: Der entdeckte Liebhaber

Meißen, Johann Joachim Kaendler, um 1771

Porzellan, Bemalung mit Aufglasurfarben

Sammlung Ludwig, Inv. Nr. L 69

 

Huch, wer ist denn da? Das Museumsobjekt der Woche zaubert der Betrachterin bzw. dem Betrachter wohl ein kleines Schmunzeln auf die Lippen: Der Hausherr, gekleidet in einen aufwändig verzierten Morgenmantel, bringt seiner Gemahlin eine Tasse heiße Schokolade ans Bett. Die Szene einer glücklichen Ehe schiene perfekt, wäre da nicht der kleine Schoßhund, der unter dem Bett bellt und den Blick des Ehemanns auf den Liebhaber lenkt, der sich mit den Pantoffeln in der Hand davonstehlen möchte…

Darstellungen wie diese verdeutlichen, dass Porzellan nicht nur als Gebrauchsgegenstand betrachtet wurde, sondern durchaus auch zur Unterhaltung dienen konnte. Einer der bekanntesten Modelleure der Meißener Porzellanmanufaktur, Johann Joachim Kaendler, schuf ab 1736 eine Vielzahl solcher höfischen oder galanten Szenen, die auch als „Kabinettstücke“ bezeichnet werden. Heute gibt es nur noch sehr wenige Ausformungen dieser Porzellanfigurengruppe.