Museum auf dem Sofa

16. September 2020: Schönborn’scher Löwenpokal

Johann David Pfaff, Nürnberg, 1720

Silber, gegossen, graviert, getrieben, ziseliert, vergoldet

Historisches Museum, Inv. Nr. 1/119

 

Ein ganz besonderes, imposantes und sehr fränkisches Museumobjekt wird in der Abteilung „Jüdisches in Bamberg“ im Historischen Museum in der Alten Hofhaltung präsentiert. Die figürliche Goldschmiedearbeit ist ein Trinkgefäß: der Kopf des Tieres ist abnehmbar. Der rund 41 cm hohe große Löwe mit Doppelschweif und Krone auf dem Haupt steht aufrecht mit seinen Hinterpfoten auf drei Pyramiden (eine Assoziation zum fränkischen Rechen). Er hält mit seinen vorderen Tatzen ein Schild mit dem Wappen des Bamberger Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn (1655–1729), das als Hinweis auf seinen Stifter zu verstehen ist. Lothar Franz gab das Gefäß 1712 beim Meistergoldschmied Johann David Pfaff aus Nürnberg in Auftrag.

Im Juni des gleichen Jahres erhielt der Nürnberger Johann Fronhoffmann diesen Siegerpokal beim „Freien Kunst- und Ritterschießen“ in Bamberg. Danach wechselte die Trophäe mehrmals ihren Besitzer (darunter Freiherr M. K. von Rothschild), bis sie in die Kunstsammlung des jüdischen Ehepaars Heinrich (1840–1928) und Emma Budge (1852–1937) überging. Im Oktober 1937 nach dem Tod Emma Budges, versteigerte das Berliner Auktionshaus H. W. Lange die Kunstsammlung des Paares zu einem geringen Preis an die Stadt Bamberg. Allerdings erhielten nicht die Erben den Erlös, sondern das Deutsche Reich. Mittlerweile wurde der Löwenpokal rechtmäßig von der Stadt Bamberg durch Finanzmittel aus diversen Stiftungen angekauft.