Museum auf dem Sofa

14. Oktober 2020: Waschgarnitur

Urbino, Werkstatt der Patanazzi, um 1580

Majolika, polychrome Bemalung mit Scharffeuerfarben

Sammlung Ludwig, Inv. Nr. L 594

 

Heute ist internationaler Händewasch-Tag! Spätestens seit im Zuge der Pandemiebekämpfung an jedem öffentlichen Waschbecken eine ausführliche Anleitung zu dieser grundlegenden Kulturtechnik aushängt, stellt sich die Frage, wie das Händewaschen in Zeiten ablief, als es selbst in höchsten Kreisen noch keine Waschbecken mit fließendem Wasser gab. Als Anschauungsmaterial dient das Museumsobjekt der Woche: Eine Waschgarnitur aus dem 16. Jahrhundert. Sie besteht aus einer Kanne und einer Schüssel. Das Grundprinzip ist einfach: Mit der Kanne gießt man Wasser auf die freie Hand, die Schüssel fängt das Wasser auf. Bei schweren Kannen empfiehlt sich die Hilfe eines Dieners oder eines freundlichen Mitmenschen.

Weniger einfach ist in diesem Fall die Gestaltung. In der Mitte des Tellers ist eine Szene der antiken Mythologie dargestellt: Der griechische Gott Zeus nähert sich in Gestalt eines Schwanes der Königstochter Leda. Das Dekor auf Teller und Kanne, die sogenannte Groteske, erfreute sich in der Renaissance großer Beliebtheit in allen Zweigen der angewandten Kunst. Es war eine Zeit, als man im römisches Erdboden die Reste der antiken Domus aurea, des Hauses Kaiser Neros, mit gut erhaltenen Wanddekorationen entdeckte. Die wilden Kombinationen aus Tieren, Fabelwesen, Putti, Masken, Vasen, Kandelabern und Girlanden benannte man nach ihrem unterirdischen Fundort, den grotte (italienisch für Höhlen) „Grotesken“. Mit der Hand wurden die aufwendigen Muster auf die Zinnglasur der erstmals gebrannten Keramik gemalt, die anschließend ein zweites Mal gebrannt wurde, sodass die Farbe mit der Glasur verschmolz. Diese Technik wird in Italien, wo diese Stücke hergestellt wurden, als Majolika bezeichnet. Zusammengehörige Waschgarnituren aus Majolika haben sich nur äußerst selten erhalten.