Museum auf dem Sofa

1. Oktober 2020: Weinfilzchen

Anton Rauh, 1920er/30er Jahre

Buntstift auf Karton

Museen der Stadt Bamberg, Inv. Nr. Gr 2478a

 

Während draußen in den Weinbergen die Weinlese in vollem Gange ist, wenden wir uns mit unserem Museumsobjekt der Woche schon mal dem Weinkonsum zu, der sowohl praktisch als auch inhaltlich mit unserem Objekt in Verbindung steht: Dargestellt ist ein Mann, der – wahrscheinlich vom Wein beseelt – verschiedene Balancekunststücke mit einem Weinglas, seiner brennenden Zigarette samt Streichholz und einem Barmaß ausführt. Bildträger ist ein rund geschnittener Karton, ein Bierdeckel, eben nur für Wein – ein Weinfilz.

Der Schöpfer dieses launigen Gelegenheitskunstwerks, der Bamberger Maler Anton Rauh (1891-1977) war Sohn eines Kunsthändlers und führte neben seinem Dasein als Künstler auch den väterlichen Beruf weiter. 1920 eröffnete er in Bamberg eine eigene Kunsthandlung in der Karolinenstraße 24, die einen gesellschaftlichen Mittelpunkt der Bamberger Kunstszene in dieser Zeit darstellte. 1922 organisierte Rauh zusammen mit den Malern Otto Boveri und Josef Albert Benkert eine große Expressionistenausstellung im Bamberger Schützenhaus, bei der Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Barlach, Franz Marc, Heinrich Campendonck und Paul Klee mit Werken vertreten waren. Da Anton Rauh auch während des Dritten Reiches als Kunsthändler aktiv war und bei ihm zahlreiche Objekte für das Fränkische Heimatmuseum, wie die Städtische Kunstsammlung damals hieß, angekauft wurden, ist sein Nachlass im Rahmen der Provenienzforschung daraufhin untersucht worden, ob er wissentlich mit Kunstgegenständen handelte, die ihren Eigentümern unrechtmäßig entzogen worden waren. Seine Rolle konnte anhand des vorhandenen Materials nicht eindeutig geklärt werden.