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Die Bamberger Fischer- und Schifferzunft

Auch dieses Jahr müssen die Bambergerinnen und Bamberger stark sein und aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie erneut auf die Sandkerwa verzichten. Mittlerweile sollte jedoch einiges an Übung vorhanden sein, wurde das beliebte Volksfest in den letzten fünf Jahren nun schon ein drittes Mal abgesagt. Auch letztes Jahr machte die Corona-Situation der Bamberger Bevölkerung einen Strich durch die Rechnung und im Jahr 2017 konnte die Sandkerwa aufgrund eines fehlenden Sicherheitskonzepts ebenfalls nicht stattfinden. Anlässlich der ausfallenden Sandkerwa dieses Jahr soll sich der aktuelle Blogbeitrag mit der Bamberger Fischer- und Schifferzunft beschäftigen, die traditionell jedes Jahr an der Sandkerwa zum Fischerstechen einlädt.

 

Die traditionelle Zunft

Traditionell war unter einer Zunft bis zur Gewerbefreiheit im Jahr 1869 ein genossenschaftlicher Handwerksverband für Männer zu verstehen, der neben seinem Handwerk auch zusätzliche Aufgaben in der Gesellschaft übernahm. Diese umfassten unter anderem religiöse Aufgaben, aber auch soziale sowie wirtschaftliche Tätigkeiten fielen beispielsweise für die Zünfte in einer Stadt an. Die soziale Fürsorge wurde innerhalb einer solchen Gemeinschaft großgeschrieben, denn die Zunftgemeinschaft kümmerte sich auch nach dem Tod eines Mitglieds um dessen Witwe und Nachkömmlinge.

 

Ansiedlungsgründe von Fischern

Damit sich Fischer an einem Standort ansiedeln, werden gewisse physisch-geographische Merkmale benötigt. Das grundlegendste ist das Vorhandensein eines Gewässers, egal ob es sich hierbei um ein fließendes oder ein stehendes Gewässer handelt. Ein weiteres elementares Merkmal für Fischer ist ein ausreichender Fischreichtum. Am Beispiel der Bamberger Fischer ist der Fluss Regnitz zu nennen, der sich malerisch durch Bamberg zieht und bei Bischberg schließlich in den Main mündet und somit eine Anbindung an größere Wasserstraßen bietet.

Gesicherte Belege für die Ansiedlung von Fischern im Domstift Bamberg gibt es nachweislich für das 14. Jahrhundert, obwohl angenommen wird, dass es hier bereits früher Fischer gegeben hat. Ein Zollverzeichnis aus dem Jahr 1333 sowie ein, aus dem 14. Jahrhundert stammender, Auftrag des Bamberger Bischofs bilden die zeitgenössischen Zeugnisse.

Ein genaues Gründungsdatum der Bamberger Fischer- und Schifferzunft ist leider nicht überliefert, es wird jedoch angenommen, dass sie wie die meisten anderen Zünfte auch, im 15. Jahrhundert gegründet wurde. Diese Vermutung basiert auf einer urkundlichen Erwähnung der Zunft aus dem Jahr 1409. Das bis heute in Besitz befindliche Zunfthaus in der Kapuzinerstraße wurde nachweislich im Jahr 1463 erworben.

 

Obere Schifferzunft und Untere Fischer- und Schifferzunft

Obgleich sich dieser Blogbeitrag hauptsächlich auf die Untere Fischer- und Schifferzunft bezieht, muss doch einmal erwähnt werden, dass es bis ins Jahr 1965 auch eine Obere Schifferzunft in Bamberg gegeben hat. Die beiden Zunftbezeichnungen verweisen auf ihre räumliche Trennung, da sie beide an unterschiedlichen Lagen am Fluss angesiedelt wurden. Während die Untere Fischer- und Schifferzunft flussabwärts bis heute lokalisierbar ist, befand sich die Obere Schifferzunft weiter flussaufwärts. Als räumlichen Trennungspunkt können die am Mühlwörth befindlichen Mühlen angesehen werden.

Zu den weiteren Aufgaben der Oberen Schifferzunft Bamberg gehörte ein Personen- und Gütertransport zwischen Bamberg und Forchheim. Hierfür wurden von der oberen Zunft mehrere Personenschiffe betrieben. Nachdem das Hochwassersperrtor bei Bug erbaut wurde, erschwerte sich die Personenschifffahrt und der Fährbetrieb lohnte sich nicht mehr. Aufgrund dieser wegfallenden Grundlage entschied die Obere Schifferzunft sich aufzulösen.

Da es seit der Gewerbefreiheit eine Zunft im konventionellen Sinn nicht mehr gibt, handelt es sich bei der Unteren Fischer- und Schifferzunft heute um eine öffentliche Genossenschaft , die das zünftische Leben traditionsbewusst jedoch weiterführt und zelebriert.

Ursprünglich bestand die Bamberger Fischer- und Schifferzunft aus fünf Familien – Kropf, Messerschmitt, Schneider, Stöcklein und Weyermann. In der Unteren Fischer- und Schifferzunft dominiert heute ganz klar die Familie Kropf, aber auch die Familien Schneider und Stöcklein sind in kleinem Maße noch anzutreffen.

 

Organisation und Werdegang in einer Zunft

Eine Handwerkszunft im konventionellen Sinn ist als eine Gesellschaft zu verstehen, die nach klar ausgewählten Regeln definiert ist und sich selbst verwaltet. Die Zunftordnung regelte das Leben innerhalb einer Zunft. Aus dem Jahr 1590 stammt die erste nachweisbare Überlieferung einer Fischereiordnung, die vor allem den Verkauf und Handel von Fischen in Bamberg thematisierte. Solche Ordnungen, oft auch als Satzungen bezeichnet, wurden in der Bamberger Fischerzunft auch nach der Gewerbefreiheit von 1869 und der somit einhergehenden Auflösung der traditionellen Zunftstrukturen weitergeführt. Dies ist beispielhaft an einer Satzung aus dem Jahr 1912 zu erkennen.

Damals wie heute werden traditionsgemäß ausschließlich die männlichen Nachkommen in die Zunftgemeinschaft aufgenommen. Grundsätzlich war es jedoch vor der Gewerbefreiheit auch für männliche Nichtmitglieder möglich in eine Zunft aufgenommen zu werden, wobei hier die Aufnahmekriterien um einiges strenger geregelt waren. Klar festgelegte Voraussetzungen für einen jeden Bewerber auf einen Lehrlingsposten waren, die Fähigkeiten des Schreibens sowie des Lesens zu beherrschen, aber auch ein Geburtsnachweis war unumgänglich, um zu beweisen, dass es sich bei dem Bewerber um keinen unehelichen Sohn handelt. Das Geschlecht war die wohl elementarste Voraussetzung, aber auch die Religion war wichtig, was in den zünftisch-religiösen Traditionen ersichtlich wird. Auch ein Lehrgeld musste von jedem Bewerber bezahlt werden. Bis zum Jahr 1773 handelte es sich um mindestens fünf Gulden als Aufnahmegebühr bei der Bamberger Fischer- und Schifferzunft.

Nach erfolgreich durchlaufender Lehre wurde ab dem 16. Jahrhundert die anschließende Wanderung, auch als Walz bekannt, verpflichtend. Erst bei der Rückkehr konnte der nächste Karriereschritt innerhalb der Zunft, die Erlangung des Meistertitels angestrebt werden.

 

Aufgaben der Bamberger Fischer- und Schifferzunft

Die verschiedenen Handwerkszünfte hatten bis zur ihrer Auflösung im Zuge der Gewerbefreiheit gesellschaftliche Verpflichtungen, die sie im städtischen Alltag zu erfüllen hatten. Auf die Bamberger Fischerzunft bezogen bedeutet dies, dass sie beispielsweise damals die Aufgabe hatte, die hiesigen Löschgruppen bei Bränden zu unterstützen. Bei eintretenden Hochwässern waren die Bamberger Fischer dafür verantwortlich, einen geregelten Fährbetrieb zu organisieren, damit eine Flussüberquerung sowie die Versorgung der Stadtbewohnerinnen und –bewohner ermöglicht wurde. Eine weitere wichtige Aufgabe, die gleichzeitig eine wichtige Einnahmequelle im Winter darstellte war, dass die Fischer und Schiffer dafür zuständig waren, den Fluss eisfrei zu halten. Hierfür wurden zum Beispiel Werkzeuge wie die Eisbeile benutzt. Ein solches Exemplar kann in der Ausstellung Lebensader Regnitz im Historischen Museum Bamberg bestaunt werden. Das Eis konnten die Fischer anschließend bevorzugt an die lokalen Bierbrauer verkaufen, die es nutzten um ihr Bier kühl zu lagern.

 

Untere Fischer- und Schifferzunft heute

Bis heute haben sich unterschiedliche Traditionen seit der Frühen Neuzeit in der Fischerzunft erhalten. Eine dieser Traditionen ist beispielsweise die einmal jährlich stattfindende Mitgliederversammlung, in deren Zuge für gewöhnlich auch eine Vorstandschaft gewählt wird. Der aktuelle Vorstand der Unteren Fischer- und Schifferzunft ist Christopher Kropf. Die schon mehrfach erwähnten religiösen Traditionen sind auch Überbleibsel vergangener Zeiten, die noch heute in der Zunft vollzogen werden. Bis heute beteiligen sich die Mitglieder an der jährlich stattfindenden Fronleichnamsprozession in Bamberg. Hier gibt es selbstverständlich eine klare geregelte Ordnung, welcher Stab von wem getragen wird. Die Hauptaufgabe der Zunftmitglieder ist hier jedoch das feierliche Tragen des Heiligen Petrus, da es sich hierbei um den Schutzpatron der Schiffer und Fischer handelt. Die wohl prägnanteste Tradition, dass es sich bei den neuen Mitgliedern nach wie vor ausschließlich um die männlichen Nachkommen der Zunftmitglieder handeln darf befindet sich seit kurzem im Wandel. Aktuell gibt es eine Satzungsänderung nach der nun auch die weiblichen Nachkommen in die Zunft aufgenommen werden können. Allerdings bedarf es hier einer Abstimmung aller Mitglieder, die an der jährlichen Versammlung vollzogen wird. Bisher war es so, dass die neuen Mitglieder mit 18 Jahren offiziell in die Zunftgemeinschaft aufgenommen werden, sofern sie die staatliche Fischereiprüfung abgeschlossen und eine zunftinterne Fahrausbildung für den Schelch durchlaufen haben. Seit 1498 gibt es Belege über das Fischerstechen, das seit 1951 wieder regelmäßig zur Sandkerwa stattfindet und eine der Hauptattraktionen bildet, die jedes Jahr von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern wahrgenommen wird. Die letzten sieben Fischerstechen wurden seit dem Jahr 2012 von Dominik Kropf in Folge gewonnen. Neben diesen Traditionen hat die Untere Fischer- und Schifferzunft heute selbstverständlich noch weitere Aufgaben, so zum Beispiel die Bewirtschaftung der Fischrechte auf festgelegten Bereichen der Regnitz sowie des Mains. Auch die jährliche Angelkartenausgabe gehört zu den wichtigen Terminen des Zunftjahres.

                                                                

Wen die Bamberger Fischerei und Schifferei auf der Regnitz weiter interessiert, sollte sich unbedingt die von der UNESCO preisgekrönte Ausstellung Im Fluss der Geschichte. Bambergs Lebensader Regnitz im Historischen Museum Bamberg anschauen. Hier gibt es eine Vielzahl von Objekten der Bamberger Fischer zu bestaunen, die dem Museum von Johann Baptist Kropf überlassen wurden.

 

27. August 2021