Digitales Museum

23. November 2021: Anbetung der Hirten

Mitte 18. Jahrhundert

Mischtechnik (Metallstift, Aquarell, Kreide, Deckfarbe) auf Papier

Inv. Nr. Gr. 1962

 

In einem dichten Kreis scharen sich die Menschen um das Jesuskind herum, das nackt und bloß auf einem Strohbett liegt. Einer ist schon auf die Knie gesunken und hat die Hände anbetend gefaltet. Die Frau links neben ihm ist wie er kniend ins Gebet versunken. Ein dritter kommt gerade herbeigeeilt und nimmt im Ankommen den Hut vom Kopf. Es handelt sich um die Hirten, die sich hier zur Anbetung des Kindes versammelt haben. Sie hatten als erste vom Engel die Botschaft von Weihnachten erhalten und waren nach Bethlehem aufgebrochen, um das Ereignis zu sehen, das ihnen der Herr verkünden ließ, wie es bei dem Evangelisten Lukas heißt.

Durch ihr leuchtend blaues Gewand – die einzige reine Farbe in dem in gebrochenen Pastelltönen gehaltenen Bild – hebt sich Maria von den anderen ab. Sie beugt sich leicht über ihr Kind und blickt es voller Zärtlichkeit an. Dabei ist sie nicht untätig, denn ganz nebenbei wickelt sie einen langen Windelstreifen auf. Die Windel war ein Erkennungsmotiv, das der Engel den Hirten mit auf den Weg gegeben hatte: „Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingewickelt und in einer Krippe liegend.“ Die Windel gilt aber auch als Symbol für die menschliche Natur, die Gottes Sohn bei seiner Fleischwerdung angenommen hat. Kaiser Karl der Große ließ die Windeln des Jesuskindes als hochverehrte Reliquien in den Aachener Dom bringen, wo sie bis heute verehrt werden.

Das Jesuskind wurde in eine arme Handwerkerfamilie hineingeboren – Joseph hat den Platz an der Krippe schon wieder verlassen müssen und sich an die Arbeit gemacht. Er ist rechts hinter Maria zu sehen, wie er mit einer Säge hantiert und seinem Beruf als Zimmermann nachgeht, um seine kleine Familie ernähren zu können.