Digitales Museum

4. August 2021: Die hl. Elisabeth empfängt den Leichnam ihres Mannes

Pius Ferdinand Messerschmitt, 1888

Öl auf Leinwand

Inv. Nr. 474

 

Schwarz gewandet, mit gesenktem Kopf, legt die hl. Elisabeth die Hände an den Sarg mit dem Leichnam ihres Mannes. Man schreibt das Jahr 1228. Ein Jahr zuvor hatte der Landgraf Ludwig von Thüringen von seiner jungen Gattin Elisabeth Abschied genommen, um mit Kaiser Friedrich II. zum fünften Kreuzzug aufzubrechen. Doch Ludwig starb bereits in Italien noch vor der Überfahrt ins Heilige Land.

Mit diesem monumentalen Historiengemälde von 1888 setzte der Malers Pius Ferdinand Messerschmitt eine nur wenig bekannte Episode aus dem Leben der hl. Elisabeth um. Nicht die freigebige und fromme Landgräfin, noch die demütige und wunderwirkende Tertiarin stehen hier im Mittelpunkt, sondern die große Trauer einer Frau um ihren geliebten Ehemann.

Pius Ferdinand Messerschmitt, 1858 in Bamberg geboren, gilt als einer der bedeutendsten fränkischen Maler des 19. Jahrhunderts. Nach einem frühen Zeichenunterricht in Bamberg erhielt er seine malerische Ausbildung an der Münchner Akademie bei den Professoren Lindenschmitt, Hackl und Benzcúr. Seine ersten großen Erfolge hatte er mit Historienbildern wie diesem hier – er erhielt 1888 den zweiten Preis auf der Münchner „Weihnachtsconcurrenz“ der Akademie –, doch die Historienmalerei war allmählich aus der Mode gekommen und um mit der Zeit zu gehen, widmete sich Messerschmitt schließlich historistisch-romantischen Kompositionen, wie zum Beispiel Postkutschendarstellungen.

Die Stadtsilhouette von Bamberg bildet den Hintergrund des Bildes, um seine Authentizität zu erhöhen. Doch beruht die Darstellung nicht auf historischen Ansichten oder archäologischen Forschungen; Messerschmitt hat die Bamberger Architektur „reromanisiert“ und sie so den damals herrschenden Vorstellungen angepasst. Von der Stadt her bewegt sich ein Zug Menschen hin zu der bewegenden Gruppe um die hl. Elisabeth.