Digitales Museum

20. Juli 2021: Chinesisches Schachspiel

Meißen, um 1740

Porzellan, bemalt mit Unterglasur- und Schmelzfarbe, Figuren H ca. 5,5-8 cm

Inv. Nr. L 51

 

Zum heutigen Weltschachtag präsentieren wir ein Museumsobjekt der Woche, das uns Schach als wahres Welt-Spiel präsentiert: Ein chinesisches Schachspiel, das im 18. Jahrhundert in Deutschland hergestellt wurde!

Das Schachspiel, wie wir es kennen, hat seinen Ursprung wohl in Indien. Ende des fünften Jahrhunderts gelangte es nach Persien und von dort ins oströmische Reich, nach Konstantinopel. Auch in der islamischen Welt verbreitete es sich bis nach Spanien. In China wird das Schachspiel bereits im zweiten Jahr­hun­dert v. Chr. Erwähnt, jedoch sieht es etwas anders aus und wird auch etwas anders gespielt, als bei uns. Auch die chinesische Form des Schachs ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler, die versuchen, den gegnerischen König (aus dem Persischen „Scháh“) oder Feldherrn Schachmatt zu setzen. Die Schach­partie wird auf einem quadratischen Brett mit 64 Feldern gespielt, die jedoch nicht farblich gekenn­zeichnet sind wie beim europäischen Schachbrett. Ein „Fluss“ teilt das Brett in zwei Hälften.

Unser Chinesisches Schachspiel wurde um 1740 in Meißen, der ersten Porzellan­manufaktur Europas, hergestellt. Es besteht aus 40 Porzellanfiguren; die eine Hälfte ist undekoriert weiß belassen, die andere zur Unterscheidung mit blauer Unterglasurfarbe und fleischfarbener Schmelzfarbe bemalt. Da das Spiel eigentlich nur mit 16 Figuren pro Spieler gespielt wird, sind wohl die überzähligen acht Figuren Ersatzfiguren.

Bereits kurz nach der Erfindung des europäischen Hartporzellans 1708 begann man in Meißen mit dem Herstellen von Schachfiguren. Warum aber wurde das Chinesische Schach überhaupt in Deutschland hergestellt? Seit Anfang des 13. Jahrhunderts war Porzellan von den europäischen Fürstenhöfen zu hor­renden Preisen aus China importiert worden. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der Handels­austausch mit Asien immer intensiver. In ganz Europa war man chinabegeistert und die Nachahmung des chinesischen Lebens umfasste alle Bereiche. Zu bewundern ist das Spiel übrigens in der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus!