Digitales Museum

17. September 2021: Ehemaliger Friedhof auf dem Stephansberg

Anton Müller, 1895

Aquarell, 21,8 x 32,7 cm

Inv. Nr. Gr 628

 

Zum Tag des Friedhofs am Wochenende (18./19. September) präsentieren wir ein Aquarell des ehemaligen Friedhofs auf dem Bamberger Stephansberg. 1801 hatte Fürstbischof Buseck angeordnet, dass die Toten nicht mehr innerhalb der Stadt begraben werden durften. Daraufhin entstand 1802 am Oberen Stephansberg, damals außerhalb der Stadt gelegen, ein Friedhof für die Dompfarrei und die Pfarrei Unsere Liebe Frau, der allerdings schon bald wieder aufgegeben werden musste, weil die geologische Beschaffenheit des Grundstücks sich als äußerst ungünstig erwiesen hatte.

Die auf dem Bild sichtbaren Kapelle wurde 1835/36 über einem bereits bestehenden Altar mit Kreuzädikula erbaut. Darunter befand sich das Grab des geistlichen Rats und Stadtpfarrers Andreas Augustin Schellenberger, der nicht nur ein großer Wohltäter für die sozialen Belange der Stadt war, sondern auch seine Kunstsammlung, die später zum Grundstock der Museen der Stadt Bamberg werden sollte, dem städtischen Krankenhaus überließ.

1871 wurde die Kapelle abgebrochen, 1872 der Friedhof endgültig aufgelassen. Der Altar mit der Kreuzädikula steht seitdem wieder frei, umgeben von einer kleinen Gartenanlage. Die alten Torpfeiler bilden noch heute den Eingang zu diesem beschaulichen Plätzchen.

Der Zeichenlehrer Anton Müller, der das Aquarell gemalt hatte, verkaufte es 1895 an den Bamberger Bürgermeister Valentin Herd (1837–1902), der es sich zur Aufgabe gemacht hatte ein „städtisches Album“ anlegen zu lassen, das zunächst in Fotografien, später auch mit Grafiken bestückt wurde und neben Porträts der Mitglieder städtischer Gremien abzubrechende und neu errichtete Bauten dokumentieren sollte. An dem Aquarell hatte er über den dokumentarischen Wert hinaus aber auch noch ein persönliches Interesse. Eine Aufschrift auf der Rückseite des Blattes gibt Auskunft, dass von ihm „5 Geschwister unter dem auf dem / Bild rechts ersichtlichen Pappelbaum liegen“.