Digitales Museum

Wir laden ein zum höfischen Fest

Wir tragen Masken ohne Ball, es ist Fasching ohne Feiern, Kultur ohne Publikum. Das ist derzeit ja auch nicht zu ändern. Selbst für die Prominenz bleibt der rote Teppich in dieser Saison eingerollt, es gibt keine aktuellen Fotos der Schönen und Reichen, von Glitzer und Glamour.

Deswegen bieten wir Euch einen anderen Blick auf rauschende Feste an. Dazu entführen wir Euch wieder einmal in die Sammlung Ludwig, wo so viele kostbare Porzellane vom Leben der High Society von früher erzählen.

Im 18. Jahrhundert ließ die höfische Gesellschaft keine Gelegenheit zur Selbstinszenierung aus. Was heute Instagram ist, war im Rokoko der Maskenball.

 

Das Leben im Luxus war sicher schön und bequem, aber auf die Dauer vielleicht auch langweilig. Abwechslung und vor allem die Flucht aus dem streng geregelten Hofzeremoniell waren begehrt. Maskenbälle galten als besonderes Amüsement. Sie wurden an den meisten europäischen Höfen mit Essen, Trinken, Musik, Tanz und Feuerwerk gefeiert. Man fand immer wieder Gelegenheiten zu solchen Festen, aber ihren Höhepunkt hatten sie in der Faschingszeit. Das Beste daran war, dass für kurze Zeit die höfische Etikette gelockert wurde. Man verbarg sich unter Kostüm und Maske und der Träger oder die Trägerin konnten das Gesicht wahren, auch wenn es derb-erotisch oder zügellos herging. Aber Vorsicht! Manchmal mussten die Verkleidungen zu einem bestimmten Zeitpunkt abgenommen werden. In Wien und Berlin etwa gab es die sicher sinnvolle Regelung, dass sich die Maskierten vor dem Eintritt zum Ball ausweisen und dazu die Maske lüften mussten.

 

Auch damals gab es Motto-Feste

Auf Bällen waren mal die Farben, mal die Formen der Masken vorgeschrieben. An deutschen Fürstenhöfen waren auch sogenannte „Jahrmärkte“ und „Wirtschaften“ beliebt, also Programmfeste. Adelige verkleideten sich gerne als Gärtner oder Schäferin und spielten Landleben, fern von der steifen Etikette ihrer höfischen Welt, aber noch ferner von den Härten des richtigen Arbeitslebens.

 

Die Venezianische Messe

Herzog Carl Eugen von Württemberg (1737–1793) brachte von seiner ausgedehnten Venedigreise 1767 die Idee zu einem Karneval mit, der als „Venezianische Messe“ in seiner Residenzstadt Ludwigsburg prunkvoll gefeiert wurde. Maskenbälle im Schloss und Festprogramm am Hof genügten ihm nicht, er veranstaltete einen höchst aufwendigen öffentlichen Jahrmarkt auf dem Marktplatz. Zwei Wochen lang kamen Händler aus ganz Europa und verkauften Speisen, Getränke und Luxusgüter aller Art. Auf Befehl des Herzogs hatten Händler und Kundschaft verkleidet und mit Maske zu erscheinen. Das bunte Treiben fand so großen Gefallen, dass der Herzog es bis zu seinem Tod im Jahr 1793 jedes Jahr wiederholen ließ. Die besondere Attraktion bestand darin, dass sich das Herzogspaar und die Hofgesellschaft dazu herabließen, das Schlossareal zu verlassen und sich dem Volk zu zeigen. Sie promenierten zu festgelegten Zeiten durch die Stadt und führten ihre reiche Kostümierung aus, die der Herzog und seine Entourage aus Venedig mitgebracht hatten. Die Bürgerinnen und Bürger durften zuschauen und sich am Glanz der Vornehmen ergötzen – oder sich über die Prunksucht ärgern. Den Hut mussten sie bei diesen Begegnungen nicht ziehen, das hatte der Herzog so bestimmt, weil ja schließlich Karneval war.

 

12. Februar 2021