Digitales Museum

Der Nächste bitte! – Inventarisieren bei den Museen der Stadt Bamberg

Seit es Museen gibt, gehört die Inventarisation der Objekte zu ihren Hauptaufgaben. Sie ist Grundlage einer jeden Sammlung. Seit Jahrzehnten findet die Inventarisierung nicht mehr nur analog, auf sogenannten Inventarblättern, sondern auch digital in einer Datenbank statt. Das ist sehr sinnvoll – auch im Hinblick auf den schnellen Zugriff auf Informationen für digitale Angebote der Museen – aber auch sehr aufwändig und im normalen Museumsalltag mit wenig Personal kaum zu bewältigen: Oft müssen gleichzeitig Sonderausstellungen vorbereitet, Begleitprogramme durchgeführt oder – bei der vorübergehenden Öffnung der Museen im vergangenen Sommer – Hygienekonzepte erstellt und umgesetzt werden. In Zeiten des Lockdowns sieht das anders aus. Das Hauptaugenmerk liegt derzeit einerseits auf den digitalen Angeboten, die den Besuchern „auf dem Sofa“ öffentlich präsentiert werden. Doch hinter verschlossenen Türen und für den Besucher nicht sichtbar können nun endlich auch „Altlasten“ aufgearbeitet werden, auch bei der Inventarisierung der Museumsobjekte.

 

Pflege der Altbestände

Auch die beiden wissenschaftlichen Volontärinnen der Museen der Stadt Bamberg inventarisieren fleißig. Das heißt jedoch nicht nur, „neue“ Objekte in die Datenbank anzulegen, auch die Altbestände müssen digital gepflegt werden. Eine Aufgabe ist es sich um die Verfeinerung der bisher geleisteten Inventarisation zu kümmern: Konvolute, die bislang nur summarisch inventarisiert werden konnten, werden nun digital in ihre Einzelteile zerlegt. Neue Informationen und Forschungsergebnisse zu Künstlern, Objekten oder ihren Vorbesitzern werden eingepflegt. Manchmal besteht die Gefahr, dabei zu genau zu werden. Denn je länger man ein Objekt betrachtet, desto mehr Möglichkeiten sieht man plötzlich, was man noch alles recherchieren könnte. Dann aber würde man die zweite wichtige Aufgabe aus den Augen verlieren: Die freundliche (und wissenschaftliche) Aufnahme neu eingetroffener Objekte.

Sehr oft finden sich in den alten Inventaren oder Akten Hinweise auf zusätzliche Information und glegentlich sogar auf verschollene Objekte. Um ihnen auf die Spur zu kommen, werden unter anderem alte Inventarblätter herangezogen, in denen sich Hinweise zu Objekten finden, die nicht mehr im Museumsbestand vorhanden sind, zum Beispiel da es sich um Kunst aus jüdischen Besitz handelte und diese Gegenstände den rechtmäßigen Erben zurückgegeben wurden. Die analog dokumentierten Informationen müssen schließlich dem jeweiligen Objekt zugeordnet und im Inventarisierungsprogramm erfasst werden. Dieses Verfahren ist wichtig, um den Verbleib des jeweiligen Gegenstandes sowie alle Überlieferungen zu dessen Geschichte festzuhalten und somit auch die Sammlungsgeschichte zu dokumentieren.

 

Inventarisierung der Neuankömmlinge

Ein neues Objekt wird nach seiner Ankunft wenn möglichim Quarantäneraum deponiert, einer hermetisch verschlossenen Kammer im Museumsdepot, in welcher es eine gewisse Zeit verbringen muss, bis ein Befall mit Schädlingen ausgeschlossen werden kann. Der Restaurator reinigt und konserviert das Objekt schließlich, bevor es endlich zum Inventarisierungsprozess kommt. Bei den Museen der Stadt Bamberg erhält jedes Objekt eine sogenannte sprechende Inventarnummer. Das heißt, zuerst muss das gute Stück einer Kategorie zugeordnet werden, zum Beispiel „Abt 7 Keramik“, „Abt 14 Militaria“, „Abt 16 Fabrikation“, „Abt 23 Kulturgeschichte“ oder einfach „Gemälde“. Nun wird die letzte vergebene Inventarnummer der Sparte ermittelt, um die nächste Nummer einpflegen zu können. Die Datenbankhat vorgegebene Felder für die wichtigsten Informationen: Wer war der Voreigentümer? Ist der Künstler oder der Hersteller (z.B. die Manufaktur) bekannt? Aus welchem Material besteht das Objekt? Mit welcher Technik wurde es gefertigt? Wie sind die Maße? Wie ist der Zustand? usw. Dann folgt die Beschreibung, die so genau sein muss, dass eine Identifizierung des Gegenstandes auch ohne Inventarnummer und Abbildung möglich wäre, falls diese aus irgendwelchen Gründen verloren geht. Falls weitere Details zum Objekt bekannt sind, werden diese ebenfalls erfasst. Manchmal muss in Büchern oder anderen Quellen nach Vergleichsobjekten oder Ähnlichem recherchiert und nachgeforscht werden. Gibt es bereits Publikationen zu einem Objekt, können diese in Form von Literaturhinweisen oder auch direkt als PDF-Dokumente angefügt werden. Ziel ist es eine umfassende Dokumentation der Objekte in der Datenbank zu erhalten.

Nun wird die Inventarnummer am Objekt an einer möglichst unauffälligen Stelle angebracht (was nicht immer einfach ist), und zwar so, dass sie einerseits nicht verloren gehen kann, andererseits aber das Objekt nicht beeinflusst wird und die Nummer reversibel ist. Je nach dem, aus welchem Material ein Objekt besteht, kann das aufwendig sein. Meistens muss zuerst mit einer speziellen Flüssigkeit grundiert werden, dann wird die Nummer mit Künstlertusche aufgebracht, um am Ende noch mit einem Lack überzogen zu werden. Bei Objekten aus Papier dagegen reicht eine Beschriftung mit einem einfachen weichen Bleistift. Textilen, aber auch Objekte mit durchbrochener Oberfläche, erhalten ein angenähtes oder mit Faden befestigtes Etikett. Das Anbringen der Inventarnummer ist ein feierlicher Moment, denn das Objekt ist somit offiziell registriert und erhält in diesem Moment das sichtbare Zeichen seiner Sammlungszugehörigkeit.

 

Das Objekt erhält ein Foto um weiter zu kommen

Das gute Stück muss abschließend noch – bevor es sein neues Zuhause bezieht – zum Fotoshooting. Dabei ist zu beachten, dass Marken beispielsweise bei Keramiken, Glas, Metallen etc. oder Signaturen bei Gemälden, Grafiken usw. zusätzlich zum Hauptfoto detailliert fotografiert werden. Natürlich ersetzt ein Foto auch später nie die Sichtung des Originals. Aber je besser das Foto das Objekt dokumentiert, desto seltener muss man bei kleineren Fragen das Objekt aus dem Depot oder aus der Ausstellung holen. Und schließlich muss man immer damit rechnen, dass Objekte über die Jahrhunderte, in denen sie aufbewahrt werden, Informationen verlieren können, die bei der Inventarisation noch sichtbar waren – auch wenn von Restauratoren und Konservatoren alles dafür getan wird, dass dies nicht passiert.

Gute Objektfotos werden auch für digitale Angebote wie das „Museum auf dem Sofa“ gebraucht. Hier kommen die Wissenschaftlerinnen  jedoch an ihre Grenzen: Für Publikationen werden externe und professionelle Fotografen hinzugezogen. 

Am Ende wird ein geeigneter Standort im Depot gesucht, an welchem dem Objekt nichts passieren kann. Und, ganz wichtig: Der Standort muss natürlich in standardisierter Weise auf der analogen (ausgedruckten) und digitalen Inventarkarte vermerkt werden, damit das Objekt jederzeit wiedergefunden werden kann.

 

29. Januar 2021