Ausstellungen

30. April 2020: Walpurgisnacht

Heinrich Ruland (zugeschr.), 19. Jahrhundert

Öl auf Leinwand

Museen der Stadt Bamberg, Inv. Nr. 178D

 

In vielen Teilen Deutschlands und Europas wird in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai Walpurgisnacht gefeiert. Diese besondere Nacht ist auch in unserem Gemälde dargestellt. Die Szenerie ist in schummriges Dunkel getaucht. Unter knorrigen Nadelbäumen und vor dem Hintergrund einer rauen Felsenlandschaft tummeln sich schemenhafte Wesen um ein Feuer. In der Mitte tanzt ein Mann mit roten langen Haaren eng umschlungen mit einer nackten Frau. Alte Frauen in langen Gewändern und unbekleidete junge Frauen lagern kreisförmig um sie herum und beobachten das Paar. Andere Körper scheinen ineinander verschlungen. Im Hintergrund drücken sich insektenhaft anmutende Gestalten in eine Felshöhle.

Das Gemälde „Walpurgisnacht“ ist Heinrich Ruland zugeschrieben, doch dem Porträt- und Historienmaler lagen eher andere Sujets, weshalb die Zuschreibung fraglich ist. Der unbekannte Maler des Gemäldes hat sich hier einer geheimnisvollen, erotisch aufgeladenen Thematik zugewandt. Seine Darstellung der Walpurgisnacht ist dabei möglicherweise an Goethes „Faust“ orientiert. Darin fliegen Mephistopheles und Faust ins „Harzgebirg“ und beobachten das wilde Treiben auf dem Hexentanzplatz. 

Der Hexensabbat war ein zentrales Element des frühneuzeitlichen Hexenglaubens. Man glaubte daran, dass es Männer, Frauen und Kinder gab, die auf Besen oder Ofengabeln zum Hexensabbat ritten, dort festlich dinierten, mit dem Teufel sexuell verkehrten und das Wetter beeinflussten.    

Rituale zur Walpurgisnacht gab es allerdings bereits in vorchristlicher Zeit. Seit dem Mittelalter wird am 1. Mai der Tag der heiligen Walburga gefeiert. Die englische Benediktinerin war im 8. Jh. Äbtissin des fränkischen Klosters Heidenheim. Die Walpurgisnacht ist mit unterschiedlichen Bräuchen verbunden: Beim Tanz in den Mai wird ums Feuer getanzt und im Harz „reiten“ als Hexen verkleidete Frauen auf den Brocken, auch Blocksberg genannt. In unserer Region bekannt ist das „Walberlafest“ auf der Ehrenbürg bei Forchheim.