Ausstellungen

20. Mai 2020: Nescafé-Tüte

1950er Jahre

Plastik

Leihgabe von Barbara Bachem/Düren für die Sonderausstellung "Tüte um Tüte" 2020/2021

 

Eine Plastiktüte als museales Objekt? Das mag ungewöhnlich erscheinen. Aber diese Tüte hat durchaus museale Eigenschaften. Sie gehört zu den ganz frühen ihrer Art, ist relativ alt (ca. 65 Jahre) und ihre Machart sowie der Aufdruck dienen als historische Quelle. Deswegen ist sie auch in unserer neuen Sonderausstellung „Tüte um Tüte“ im Historischen Museum zu sehen, die morgen eröffnet.

Als diese Tüte hergestellt wurde, war die Welt noch eine andere: Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei, in der Bundesrepublik wurden immer mehr Selbstbedienungsläden eröffnet und die Art des täglichen Einkaufs veränderte sich. Um spontanes Einkaufen zu ermöglichen und gleichzeitig für Produkte des täglichen Bedarfs zu werben, wurden zusätzlich zu den bereits bekannten Papiertragetaschen Plastiktüten ausgegeben. In den 1950er Jahren hatten diese allerdings noch keine oder nur wenig stabile Henkel. Doch sie dienten bereits als Medien für Produkte, die man in Kriegszeiten schmerzlich vermisst hatte.

Gefriergetrockneter Instantkaffee von Nestlé existierte bereits seit den 1940er Jahren, wurde jedoch nur an Soldaten ausgegeben, um sie wachzuhalten. Einige Jahre später entwickelte er sich zum Modegetränk. Der Tütenaufdruck entwirft ein Bild des idealen Frühstücks: Mann und Frau sitzen gemütlich beisammen, es gibt Hörnchen und frischen Kaffee und draußen verläuft das alltägliche Leben. Nescafé – so die Botschaft – trägt zu einem beschaulichen, angenehmen Leben bei, ganz in den geordneten Bahnen der Vorstellungen der 1950er Jahre.