Ausstellungen

15. Mai 2020: Handopferkasten

15. Jahrhundert

Holz, geschnitzt und gefasst

Museen der Stadt Bamberg, Inv. Nr. Pl 1/103

 

Die Kontaktbeschränkungen und das Abstandsgebot fallen uns in diesen Zeiten nicht immer leicht. Doch es war schon vor einigen hundert Jahren bekannt, dass die Isolierung und Quarantäne von Menschen, die unter ansteckenden Krankheiten leiden, deren Verbreitung eindämmen kann. Im Mittealter und der Frühen Neuzeit kannte man zwar noch keine Viren und Bakterien, doch man richtete spezielle Orte für die Infizierten ein. Diese Siechenhäuser fand man oft vor den Toren oder am Rand der Stadt. Sie nahmen vor allem Leprakranke auf, die nicht mehr durch tägliche Arbeit ihren Unterhalt bestreiten konnten. Deswegen mussten sie auf Almosen hoffen. Damit die Mildtätigen Abstand halten konnten, streckten die Kranken ihnen solche Handopferkästen entgegen.

Auf der offenen Seite steht: „Gib, gebt, solange Ihr lebt, wenn ihr nimmer lebt, könnt Ihr nimmer, gib, gebt“. Dies sollte die Gebenden daran erinnern, dass ihre milde Gabe im Jenseits belohnt werden würde. Auf dem Deckel sind die Heiligen Antonius mit Stab und Doppelkreuz, Nikolaus mit Mitra und drei goldenen Kugeln und Laurentius mit Rost abgebildet. St. Antonius war Patron des gleichnamigen Siechenhauses auf dem Kaulberg, aus dem der Kasten stammt. Für uns heute ist die Vorstellung unfair, dass unheilbar Kranke betteln müssen. Doch in der mittelalterlichen Weltordnung hatten auch diese Menschen einen festen Platz. Mit jedem Geldstück, das sie bekamen, verkürzte sich für die Gebenden die drohend lange Zeit im Fegefeuer. So konnten die Armen versorgt werden, indem die Reichen sich den schnelleren Weg ins Paradies „erkauften“.