Allgemeine Informationen

Willkommen im 19. Jahrhundert!

Das 19. Jahrhundert war eine Zeit des Umbruchs: Bamberg wurde vom Regierungssitz des Hochstifts zu einer Stadt des Bayerischen Kurfürstentums, später dann des Bayerischen Königreiches, welches schließlich 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs wurde. Das 19. Jahrhundert war auch eine Zeit des Fortschritts und der Industrialisierung: Fabriken wurden gebaut, die Massenproduktion von Alltagsgegenständen begann und veränderte die Arbeitsbedingungen vieler Menschen massiv. Zudem wurden der Ludwig-Donau-Main-Kanal zwischen Kelheim und Bamberg sowie eine Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Bamberg errichtet, welche in der Folge zur Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Lindau nach Hof erweitert wurde. Schließlich war das 19. Jahrhundert auch eine Zeit des neuen bürgerlichen Engagements. Ferner widmete man sich vermehrt seiner Familie und seinen Freunden und entwickelte ein neues Nationalgefühl.

Eine Abteilung im Historischen Museum zeugt von der Bamberger Bürgerkultur im 19. Jahrhundert. In der Dauerausstellung werden nicht nur Gemälde, sondern auch Objekte aus dem Kunsthandwerk sowie Möbel, Kleidung und Musikinstrumente präsentiert. Sie sind Zeitzeugen bürgerlichen Lebens und bürgerlicher Kultur.

 

Bürgerengagement in Bamberg

1802 wurde das Hochstift Bamberg aufgelöst und die Stadt ging an das Kurfürstentum Bayern. Kirchen und Klöster waren bis dahin nicht nur sakrale Orte, sondern auch Arbeitgeber und Aufbewahrungsstätten für allerlei Kunstwerke. Die Bamberger mussten fortan die Stadt selbst verwalten und das kulturelle Leben aufrechterhalten. Sie gründeten und unterstützen Vereine (u.a. Historischer Verein, Kunstverein) und kulturelle Einrichtungen (Theater, Bibliothek, Sonderschulen und Kunstsammlungen) (→ Aller Anfang… Museum neu gedacht, damals und heute). Viele dieser Bürgerinnen und Bürger wurden allerdings noch von den Fürstbischöfen gefördert und engagierten sich in Bamberg nach der Auflösung des Hochstiftes umso mehr.

Ein Vertreter der eifrigen Bamberger ist zum Beispiel der Humanmediziner Dr. Adalbert Friedrich Marcus (1753-1816), der die medizinische Versorgung der Bamberger bereits seit den 1780er Jahren enorm verbessert und vorangetrieben hatte (Abb. 1). Unter anderem war er auch in die Planungen des neuen modernen Krankenhauses an der Regnitz involviert, brachte eine der ersten Krankenversicherungen hervor und gründete die medizinisch-chirurgische Schule

 

Klassizismus

Das 19. Jahrhundert wurde in der Kunst mit dem aufgeklärten Klassizismus eingeleitet. Er charakterisiert sich durch Natürlichkeit sowie eine schlichte Eleganz mit Bezug auf die römische und griechische Antike.

Als Beispiel für klassizistische Kunst dient eine skulptural aufgebaute Standuhr aus der Werkstatt des Hofbildhauers Martin Gottlieb Klauer und des Bamberger Uhrmachers Burkartus Sauer (Abb. 2 siehe unten). Das Uhrengehäuse ruht auf einer kannelierten Säule. Eine Frau im langen leichten Gewand stützt sich mit ihrem Ellenbogen nachdenklich auf der Uhr ab. Die Skulptur wirkt antikisierend und zeichnet sich durch eine schlichte helle Farbgebung mit akzentuierter Goldbemalung aus. 

 

Romantik

Ungefähr gleichzeitig mit dem Klassizismus ging auch die Romantik einher. Die Bevölkerung sehnte sich, nachdem das Land politisch gespalten war, sprichwörtlich nach einem romantischen Leben, welches sie in der mittelalterlichen Kunst und Kultur sowie im einfachen Landleben vermutete.

Besonders mittelalterliche Burgen (sog. Burgenromantik) und Kircheninterieurs sowie Landschaften wurden in zahlreichen Grafiken, Gemälden, auf Porzellanen oder auch auf Glas verewigt.

In der Ausstellung dient als Repräsentant ein Ölgemälde von August Christian Geist aus dem Jahr 1853 (Abb. 3). Dargestellt ist eine „romantische“ Landschaft mit alten Bauernhäusern, der entsprechenden Personenstaffage und einem Fluss, über welchem sich eine mittelalterliche Brücke spannt. Im Hintergrund ist die Burgruine Trimberg zu erkennen.

 

Nationalbewusstsein

Mit der Rückbesinnung auf die altdeutschen Werte wurde nun auch das Nationalbewusstsein gestärkt. Die Bürgerinnen und Bürger suchten ihre „deutsche“ Identität im Sammeln von Volksmärchen und –liedern, entdeckten Bräuche und Traditionen wieder und gründeten zahlreiche Volksfeste. In Bamberg wurde zwischen 1833 und 1841 das Theresien-Volksfest auf der Theresienwiese gefeiert (Abb. 4). Es sollte an den Besuch des bayerischen Herrscherpaares König Ludwig I. (1786- 1868) und seiner Gemahlin Therese (1792-1854) von 1830 erinnern.

 

Biedermeierzeit

Der Stil des Biedermeiers ist hauptsächlich im deutschsprachigem Raum zwischen den Jahren 1815 und 1848 zu verorten und ist im Grunde eine Form des Klassizismus. Im Vordergrund standen die Ideale der Freundschaft und des Familienlebens sowie ein gemütlicher und praktischer Haushalt. Die Möbel wurden in einer schlichten Eleganz gehalten und sollten vor allem zweckmäßig und bequem sein (Abb. 5). Auch Hausmusik fand in der Biedermeierzeit Gefallen, sodass vermehrt Instrumente für den häuslichen Gebrauch gefertigt wurden.

Ein Repräsentant in der Ausstellung ist der Giraffenflügel aus furniertem Kirschbaum, der auch in einem kleinen Zimmer Platz fand (Abb. 6). Zwar ist das Instrument schlicht gestaltet, aber dennoch mit einzelnen klassizistischen Dekorelementen versehen. So ist den vorderen Stützen ein konischer Pilaster vorgeblendet, der von einer antikisierenden Frauenkopfbüste bekrönt wird und dessen Basis Füße darstellen. Außerdem sind die Kränze des Aufsatzes von einem golden staffierten Kymenfries besetzt.

Bei den Malern standen die Stadt- und Landschaftsdarstellungen sowie die Porträtmalerei im Fokus. Ein Beispiel hierfür sind die Gemälde der Barbara Krafft (1764-1825), die sich vor allem der Darstellung Bamberger Bürgerinnen und Bürger widmete (Abb. 7).

Beliebt war auch das Sammeln von Gläsern und Porzellanen, die weniger für den alltäglichen Gebrauch, sondern mehr als Andenken gedacht waren. In der Ausstellung sind der zylindrische Glasbecher (Abb. 8) oder die konische Porzellanvase mit eingezogenem Fuß und Hals sowie auskragender Mündung (Abb. 9), welche Ansichten Bambergs zeigen, zu finden.

Eine Bamberger Besonderheit war das Schmidt’sche Porzellanmalerinstitut, das 1833 von Karl Schmidt in Bamberg gegründet wurde und bis 1912 bestand. Dort wurden Porzellane im Stil des Biedermeiers bemalt.

 

Historismus

Ab ca. 1848 wurde der Biedermeier abgelöst und der Historismus setzte ein. Beliebt waren nun wieder die Stile Gotik, Renaissance, Barock und Rokoko.

Ein Beispiel für den Historismus ist ein kleines Chaiselongue im Stil des Neorokokos (Abb. 10). Vor allem die Lehne zeigt deutlich Rocailles und Blattrollwerk. Bei dem Exemplar handelt es sich entweder um ein Musterstück oder eine Sitzgelegenheit für Kinder oder ein Haustier.

 

Das 19. Jahrhundert ist geschichtlich und kulturell ein besonders facettenreiches Zeitalter. Politisch war das Land im Umbruch, die Industrialisierung setzte ein und man sehnte sich nach Ruhe, Heimat und Gemütlichkeit, die man auch in der Gestaltung seiner Wohnräume suchte.

 

22. Mai 2020