Allgemeine Informationen

„Was macht ihr eigentlich so den ganzen Tag?“ oder Museumsarbeit in Zeiten geschlossener Häuser

Als Mitarbeiter*innen der städtischen Museen hört man diese Frage oft: „Was macht ihr eigentlich so den ganzen Tag?“ Und manchmal möchte man dann wie Mr. Bean (in seinem „ultimativen Katastrophenfilm“) antworten: „Ich sitze in der Ecke und schaue die Bilder an.“ Sind die Häuser dann auch noch geschlossen, z.B. in den Wintermonaten oder jetzt in der Corona-Phase, kann sich erst recht niemand mehr vorstellen, was das Personal einer solchen Kultureinrichtung den lieben langen Tag tut. Das ist im Grunde genommen niemandem zu verübeln, denn die Museumsarbeit ist vielfältig, komplex und oft geschehen unvorhergesehene Dinge, auf die man flexibel reagieren muss. Die offizielle Aufgabe eines Museums ist: Sammeln, Bewahren, Forschen und Dokumentieren, Ausstellen und Vermitteln. Aber was bedeutet das denn nun genau? Es basiert auf folgendem Prinzip: Ein Museum funktioniert so ähnlich wie ein Theater. Die Besucher*innen sehen nur das, was auf der „Bühne“ der Ausstellung präsentiert wird. Alles, was im Hintergrund passiert, spielt sich bewusst hinter den Kulissen ab. Ist die Vorstellung beendet, schließt das Theater aber nicht, sondern arbeitet weiter, damit wieder neue Stücke gezeigt werden können.

 

Verwaltung

Beginnen wir mit den Arbeiten, die für jeden Menschen, der in einem Büro arbeitet, nachvollziehbar sind: die Tätigkeiten der Verwaltung. Sie hält den Betrieb „Museum“ am Laufen. Das bedeutet, sie verwaltet den Haushalt, sichert die Instandhaltung der Gebäude, indem sie die EDV, Handwerksbetriebe, Wachgesellschaften, externe Gutachter*innen usw. beauftragt, Bildanfragen bearbeitet, Rechnungen schreibt und bezahlt und sich darum kümmert, dass Heizung, Strom und Wasser zur Verfügung stehen sowie die Gebäude regelmäßig gereinigt werden. Darüber hinaus ist sie für die Personalverwaltung zuständig.

 

Werkstatt

Die Werkstatt: Kein Museum kommt ohne eine Werkstatt aus, das weiß man spätestens dann, wenn man mal versucht hat, selbst eine Glasvitrine durch die Gegend zu schieben. Die Werkstattmitarbeiter*innen sind für die Logistik von Ausstellungen zuständig, bauen aber auch Schilder und Stelen und bringen Leitsysteme an. Sie übernehmen außerdem Hausmeistertätigkeiten, überwachen die Elektrik und das Alarmsystem. Wenn in der Nacht eine Fledermaus ins Museum fliegt und Alarm auslöst, sind sie zur Stelle. Für kleine Instandhaltungsarbeiten an den Gebäuden sind sie ebenso zuständig und koordinieren und bewachen zahlreiche regelmäßige Wartungstermine (Alarmanlage, Feuerwehrbeschau, Monteure, Handwerker, Vermesser usw.).   

 

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Bislang haben wir also funktionierende Gebäude, eine Verwaltung und Ausstellungsmodule. Doch die Bamberger Bürger*innen und Museumsinteressierte über Franken hinaus sollen auch wissen, dass es die Museen gibt und was dort zu sehen ist. Gerade jetzt, wo niemand ins Museum gehen kann, ist es wichtig, Objekte und Ausstellungen zu den Menschen ins Wohnzimmer zu tragen. Über die Homepage und die Social-Media-Kanäle, die unsere Zuständige für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit pflegt, können wir über die Museumsarbeit berichten, Ausstellungsstücke vorstellen oder Interessantes zu den Museumsräumlichkeiten schreiben. Werbung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sind auch essentiell, wenn keine Ausstellungen eröffnet werden. Es müssen aktuelle Pressemeldungen verfasst, Anzeigen geschaltet und mit den Kuratorinnen abgestimmt werden, welche Inhalte wann an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist das Sprachrohr des Museums.

 

Museumspädagogik - Kunstvermittlung

Die Museumspädagogik ist für die Vermittlung des Sammlungsgutes eines Museums zuständig. Daneben ist sie auch in die Ausstellungsplanung eingebunden. Sie entwickelt eigenständige methodisch-didaktische Konzepte, Besucher*innen von Museen an Ausstellungsobjekte heranzuführen und sie ihnen näherzubringen. Dabei ist die  Museumspädagogik, wie der Begriff nahelegen könnte, nicht nur auf die Betreuung von Kindern und jugendlichen Museumsbesucher*innen ausgelegt sondern widmet sich tatsächlich allen Gruppen von Museumsbesucher*innen. So richten sich z.B. gewisse Angebote auch an bestimmte Erwachsenengruppen, beispielsweise Lehrer*innen und Senior*innen. 

 

Restaurierung

Für eine weitere Person ist es beinahe unwichtig, ob Menschen die Museen besuchen: den Restaurator. Ohne ihn würden unsere Museumsobjekte nach kürzester Zeit schimmeln, springen, rosten, zerbrechen oder verschmutzen. Egal, ob die Museen geöffnet sind oder nicht. Er kümmert sich um die Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, restauriert und reinigt Stücke aus den Dauerausstellungen, rekonstruiert verlorene oder kaputte Teile und dokumentiert diese Arbeiten. Ein Museum lebt von seinen Objekten und wenn diese verfallen, kann man das Haus schließen.

 

Wissenschaft

Was fehlt also noch? Die Museumsgebäude stehen, werden bewacht, geputzt, jede*r weiß, dass es die Museen gibt und was ausgestellt wird und die Objekte stehen schön gepflegt in ihren Vitrinen. Waren Sie schon einmal in einem dieser kleinen Burgmuseen, in denen ein einem kleinen Raum drei Rüstungen und in einer alten Tischvitrine ein paar Scherben von Ausgrabungen präsentiert werden? Das passiert, wenn ein Museum keine wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen hat. Sei das Museum noch so klein – es muss Personen geben, die sich um die Inhalte kümmern. Ausstellungen werden mindestens zwei Jahre vorher geplant und können nicht von heute auf morgen konzipiert werden. Es müssen neue Ausstellungen erdacht und geplant, sich mit externen Künstler*innen abgesprochen sowie Inhalte und Objekte recherchiert werden. Bestehende Leihverträge müssen überwacht, zukünftige aufgesetzt und Transporte organisiert werden. Objekte, die aus Materialien bestehen, mit denen sich der Restaurator nicht gut auskennt, müssen von externen Expert*innen restauriert werden und diese Aufträge muss jemand vergeben. Objekte müssen inventarisiert werden und das ist eine zeitraubende Arbeit, zu der die Wissenschaftlerinnen und Volontärinnen im normalen Museumsalltag kaum kommen. Sie bearbeiten darüber hinaus wissenschaftliche Anfragen, schreiben und publizieren Texte, betreiben Forschung (das heißt, sehr viel lesen) und bilden sich weiter. In kleinen Museen wie den städtischen, müssen sie sich in extrem unterschiedlichen Themen gleichzeitig und gleich gut auskennen, z.B. mit den Funktionen eines barocken Tischbrunnens aus Porzellan, der Herstellung von Polyethylentüten aus Erdöl und der gesellschaftlichen Rolle der Bamberger Bürger*innen in Zeiten der Säkularisation. Dieses Wissen benötigt man, u.a. um Anfragen zu beantworten und digitale Kanäle mit Inhalt zu füllen. Denn Beiträge auf dem Blog, auf Facebook und Instagram schreiben sich nicht von allein.

 

Leitung

Wenn die wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen Kopf und Herz eines Museums sind, fehlt gewissermaßen noch das Gehirn oder die Schaltzentrale. Das sind die Museumsdirektorin und ihre Stellvertreterin. Als Wissenschaftlerinnen veröffentlichen sie Aufsätze und planen Ausstellungen, leiten aber auch die Mitarbeiter*innen an, verwalten das Budget, werben Fördermittel ein und koordinieren anfallende Aufgaben. Die Leitung repräsentiert das Haus nach außen und ist die Schnittstelle zur Kulturpolitik. Im Moment können wir leider nichts verleihen, aber es befinden sich Kunstwerke in anderen Museen, die unbedingt zurückgebracht werden müssen. Kann die Versicherung verlängert werden, besitzt der Leihnehmer Räumlichkeiten, um es zwischenzulagern? Es steckt eine Menge Verantwortung in diesen Tätigkeiten, also genau das, was die Mitarbeiter*innen eben nicht auf ihren Schultern tragen müssen.

 

Haben Sie es gemerkt? Für all diese Arbeiten müssen die Museen nicht geöffnet sein. Auch wenn kein*e einzige*r Besucher*in die Häuser betritt, geht es hinter den Kulissen unverdrossen weiter. Es muss sogar weitergehen. Die Wiederbelebung der Kultur ist ebenso relevant wie die Wiedereröffnung von Geschäften, Friseurläden, Baumärkten und Archiven. Jede*r einzelne Mitarbeiter*in ist wichtig, um ein Museum am Laufen zu halten und den Bürger*innen weiterhin ihr Museum zugänglich zu machen, ohne dass sie es betreten müssen.

 

6. Mai 2020