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Ich glaub', jetzt spielt der Affe! - Die Affenkapelle aus Meißen

Ein bisschen verrückt ist die Kapelle schon, die hier spielt. Ein Haufen Affen in barocken Gewändern, die ein Orchester nachahmen. Man möchte zu gerne wissen, welche Melodie diese Musiker präsentieren und wie sich der Gesang der Affenweibchen anhören mag. Doch das kann man sich leider nur vorstellen. Wahrscheinlich spielen sie schief und brüllen vor sich hin. Sicherlich geben sie aber ihr bestes, denn zumindest sehen die Affen bei ihrem Treiben sehr professionell aus.

 

Unterhaltsame Affen

Die ca. 21 Affenmusiker modellierte 1753 Johann Joachim Kaendler (1706-1775) in der berühmten Meißner Porzellanmanufaktur. Sie waren ursprünglich als Tischdekoraktion für barocke Tafeln vorgesehen und dienten zur Unterhaltung beim Festmahl, um Gespräche anzuregen. Im Zeitalter des Barocks war es durchaus üblich, dass Dekorationen auf dem Tisch belustigen oder zum Nachdenken anregen sollten. Deshalb ist man sich bis heute in der Forschung unklar, welches Sujet die Affenkapelle bediente. Einerseits kann es sich um eine Parodie auf das sächsische Hoforchester und andererseits um eine Kritik an der höfischen Gesellschaft handeln. Doch Hauptgrund der Fertigung der Affenkapelle war sicherlich das Interesse des Käuferpublikums. Der Affe war nicht nur in der skulpturalen Herstellung, sondern auch in Gemälden ein gern gewähltes Motiv. Man liebte die Darstellungen von verkleideten Affen, die menschliches Verhalten imitierten. Und auch die Meißener Affenkapelle war von Erfolg gekrönt. Eine der bekanntesten Käuferinnen war 1753 Madame de Pompadour (1721-1764), Mätresse von König Ludwig XV. von Frankreich. Auf Grund der großen Kaufnachfrage überarbeiteten Kaendler und Peter Reinicke (1715-1768) die Affenmusiker bereits 1765/66.

 

Die Musik spielt in Bamberg

Die Affenkapelle der Sammlung Ludwig besteht aus 27 Figuren und zwei Pulten. Der Kapellmeister führt in expressiver Haltung die muntere Truppe an. Das Orchester setzt sich aus Streichern (Bassgeiger, Geiger, Gitarrist), Bläsern (Dudelsackspieler, Fagottist, zwei Flötisten, Klarinettist, Trompeter, Waldhornbläser), Schlägern (Paukenschläger mit Paukenhalter, Triangelspieler, zwei Trommler) und aus einer Drehleierspielerin sowie einem Klavierspieler und mehreren Sängerinnen zusammen. Bis auf eine Figur (Harfinistin) ist in der Sammlung Ludwig die Affenkapelle komplett. Im Jahr 2005 entwarf Silke Ebermann einen weiteren Affen (Tamburinspieler) für die Affenkapelle, der 2006 zum 300. Geburtstag Kaendlers in einer limitierten Auflage erschien.

Die Affen stehen auf einem Rokokosockel und lehnen an Stützen, um eine Standfestigkeit sowohl in der Herstellung als auch im Gebrauch zu gewährleisten. Ihr Fell wird durch graubraune Striche ausgearbeitet. Die Finger und die Füße sowie Teile des Gesichts sind fleischfarben gehalten. In ihrem teils geöffneten Mund sind jeweils Zunge und Zähne deutlich zu erkennen. Alle Orchestermitglieder tragen barocke Gewänder und auf dem Kopf eine Allongeperücke, einen Hut oder eine Haube. Außerdem zeichnen sie sich durch eine ausdruckstarke Körperhaltung aus.

 

Faszination Affe

Der Mensch hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zum Affen. Das mag vor allem daran liegen, dass er sich in der Tierwelt der freien Wildbahn am besten mit dem Affen identifizieren kann. Schließlich gehört der Mensch ebenfalls zur Gattung Menschenaffe (Gorilla, Homo sapiens, Schimpanse, Orang-Utan). Die Tiere haben im Aussehen und in der Gestik große Ähnlichkeit mit uns und sind soziale, intelligente und mitfühlende Lebewesen. Affen lernen voneinander und sind sie mit Menschen in Kontakt, imitieren sie auch deren Verhalten auf ihre tollpatschige und fast kindliche Art. Genau diese Faszination ist es, die schon vor Jahrhunderten Künstler motivierten, Affen zu malen und zu modellieren. Dieser Trend besteht auch heute noch und so finden wir in unzähligen Geschäften Wohnaccessoires jeglicher Art mit Affenmotiven. Und solange die Wildtiere in Dekorationsobjekten dargestellt werden und dem Betrachter erfreuen, ist dem auch nichts einzuwenden. Nur als Haustier sollte der Affe – schon alleine aus Empathie mit dem Tier – nicht gehalten werden.

 

29. Mai 2020