Allgemeine Informationen

Es ist serviert!

Essen und Trinken gehören zu den täglichen Notwendigkeiten, an denen die Menschen aber auch Vergnügen finden. Zum Angenehmen gehört es, den Tisch für mehrere zu decken, schlicht oder prunkvoll, je nach Anlass und Möglichkeit.

Zu allen Zeiten, bis in die Gegenwart hinein, spielt das gemeinsame Essen und Trinken eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Miteinander. Gerade in der Coronazeit fällt uns das besonders auf: Wir vermissen das Essen in großer, geselliger Runde. Dafür gibt es in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen bei vielen Familien wieder ein gemeinsames Mittagessen. In jedem Fall merken wir, dass es nicht nur um die simple Nahrungsaufnahme geht. Im Vordergrund steht vielmehr das sichtbare Zeichen der Zusammengehörigkeit. Und als Zeichen dieser übergeordneten Bedeutung wird der Tisch mehr oder weniger aufwendig mit Besteck und Geschirr, mit Kerzen oder Blumen gedeckt.
Vielleicht finden jetzt einige auch wieder Spaß daran, das „gute“ Sonntagsgeschirr aus dem Schrank zu holen, das im normalen Alltag aus der Mode gekommen ist.

 

Die Sammlung Ludwig Bamberg im Alten Rathaus feiert ihren 25. Geburtstag

In der Sammlung Ludwig Bamberg im Alten Rathaus verwahren wir viel „gutes Geschirr“, nämlich herausragende Beispiele aller wichtigen Porzellanmanufakturen aus dem 18. Jahrhundert. Ein Speiseservice mit insgesamt noch 38 Teilen wird augenblicklich auf einer Festtafel inszeniert, um zu veranschaulichen, wie früher in der vornehmen Gesellschaft gedeckt wurde.

Diese Tafel wird ein Highlight der Jubiläumsausstellung „Ludwig unter der Lupe. 25 Jahre Sammlung Ludwig in Bamberg“, die wir im Augenblick hinter verschlossenen Türen vorbereiten.

Die Idee des Services entstand im 17. Jahrhundert am französischen Hof. Man wollte einen einheitlichen Entwurf für alle zum Tafeln notwendigen Geschirre. Der Umfang eines Services wurde nach der Anzahl der Gedecke bestimmt. Diese war nicht festgelegt, konnte aber beachtlich sein.

Damalige Prunkservice sind für heutige Begriffe unvorstellbar, ein in Meißen geschaffenes Service für den Grafen von Brühl umfasste ca. 2200 Teile. Im Vergleich dazu hatten übliche, mittelgroße Gebrauchsgarnituren etwa 200-250 Teile.

Auch nach der Erfindung des Porzellans benutzte man noch Speiseservice aus Gold, Silber oder Zinn. Für den Nachtisch aber führte man ziemlich schnell eigene Dessertservice aus farbig bemaltem Porzellan ein. So wollte man den Genuss der erlesenen, süßen Schleckereien noch steigern.

 

Französischer und russischer Service

Die Tafel des 17. und 18. Jahrhundert war so beschaffen, dass darauf drei Gänge, der Suppen- und Vorspeisengang, der Fleisch- und Fischgang sowie das Dessert aufgetischt werden konnten. Es war der sogenannte „Service à la française“, bei dem sich das Geschirr mit Inhalt bereits auf dem Tisch befand, wenn die Gäste sich niederließen. Während des Essens reichte man sich gegenseitig Platten und Schüsseln. Weil Gläser während dieses Hin und Hers von Platten und Schüsseln nur im Weg gestanden wären, wurden sie von Bediensteten bei Bedarf mit Wein gefüllt auf Präsentiertabletts gereicht. Zahlreiche Schüsseln und Platten wurden symmetrisch angeordnet, Akzente setzten Terrinen und Kerzenleuchter. In der Mitte stand der Tafelaufsatz, auch plat de ménage genannt, der während aller drei Gänge stehen blieb. Darauf standen Salz- und Zucker, Pfeffer, Gewürze, Senf, Essig und Öl.

Das jüngere „service à la russe“ setzt jedem Gast bei jedem Gang den frisch angerichteten Teller vor. Dazu gehören jetzt auch Gläser und alle benötigten Besteckteile.

 

Süßes zum Finale

Zum heiteren Abschluss des Mahles wurde das Dessert serviert, das ausschließlich aus süßen Speisen bestand. Es gab Konfekt, Marzipan und Mandelcremes, Kuchen und Liköre, Früchte in Form von Gelees und Konfitüren, frisch oder kandiert. Man liebte Obst mit Zucker überzogen oder eingekocht, damit sie laut einem Haushaltslexikon des Jahres 1715 „um so viel angenehmer im Geschmack seynd und sich länger halten mögen“. Der Zuckerverbrauch stieg in den wohlhabenden Schichten kontinuierlich an.

 

29. April 2020