Service

Gerechte und faire Lösung nach 77 Jahren - "Schönborn‘scher Löwenpokal“ bis 16. November im Brückenrathaus zu sehen

Stellten die "Neuerwerbung" der Öffentlichkeit vor (v.l.n.r.): OB Andreas Starke, Dr. Stephanie Tasch, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, Dr. Regina Hanemann, Direktorin der Museen der Stadt Bamberg sowie Eckard Wiltsch, Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung

29.10.2014  

Die Museen der Stadt Bamberg haben den Schönborn‘schen Löwenpokal von 1712, ein exquisites silbern-vergoldetes Stück, ein zweites Mal und nun rechtmäßig erworben. Das Trinkgefäß in Form eines Löwen gehörte ursprünglich dem jüdischen Sammlerehepaar Heinrich (1840-1928) und Emma Budge (1852-1937). Nach deren Tod wurde die umfangreiche Privatsammlung 1937 in zwei Auktionen im Berliner Auktionshaus H. W. Lange versteigert.

Im Rahmen eines mit Bundesmitteln und von der Berliner Arbeitsstelle für Provenienzforschung geförderten Projektes, wurde der damalige Kauf des Löwenpokals durch die Stadt Bamberg erforscht. Auf der Grundlage dieser Recherchen verhandelte die Stadt mit den rechtmäßigen Erben, um eine gerechte und faire Lösung für den Verbleib des Löwenpokals zu finden. Man einigte sich auf eine Ausgleichszahlung in Höhe von 350.000 €. 77 Jahre nach dem ersten Erwerb kann die Stadt Bamberg ihn nun endgültig als ihr Eigentum präsentieren. Im Brückenrathaus ist er ab sofort und bis 16. November kostenfrei zu besichtigen.
 
Die Finanzmittel stellten unter anderem die Kulturstiftung der Länder, die Oberfrankenstiftung, die Weltkulturerbestiftung Bamberg und die Hans-Friedrich-Oskar-Deis-Gedächtnis-Stiftung zur Verfügung. So konnte das für die fränkische Kulturgeschichte so bedeutsame Kunstwerk für den Sammlungsbestand und die Bevölkerung der Stadt Bamberg erhalten werden. Im Beisein von Dr. Stephanie Tasch, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder sowie Eckard Wiltsch, Geschäftsführer der Oberfrankenstiftung, wurde der Löwenpokal nun im Brückenrathaus von Oberbürgermeister Andreas Starke und Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann offiziell als „altbekannte Neuerwerbung“ vorgestellt. Dort wird er nun bis zum 16. November 2014 bei freiem Eintritt zu sehen sein. „Ich bin glücklich und danke allen Beteiligten dafür“, betonte Oberbürgermeister Andreas Starke bei der Präsentation, „dass nach 77 Jahren im Falle des Löwenpokals eine gerechte und faire Lösung gefunden werden konnte.“ Ab April 2015 wird der Pokal dann in der neuen Dauerausstellung „Jüdisches in Bamberg“ im Historischen Museum als Prunkstück großbürgerlicher Sammelkultur, aber auch als Zeichen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem während der Zeit des Nationalsozialismus begangenen Unrechts gezeigt.

 
Der Schützenpreis und sein Stifter
 
Johann Fronhoffmann von Nürnberg schoss beim „Freien Kunst- und Ritterschießen“ 1712 in Bamberg am trefflichsten. Als Preis erhielt er eine kostbare Nürnberger Goldschmiedearbeit: Ein Trinkgefäß in Form eines Löwen. Gestiftet hatte das „Hauptbeste“ Lothar Franz von Schönborn (1655–1729), Kurfürst von Mainz und Fürstbischof von Bamberg. Als Schirmherr des Wettschießens ließ er den Preis als heraldisches Symbol seiner Machtposition im Reich gestalten: Der gekrönte Löwe, auf dem fränkischen Rechen stehend, entspricht dem Wappen der Grafen von Schönborn. In den Vorderpranken hält die Figur einen Schild mit dem kurmainzer Wappen.

 
Der Löwenpokal als Sammlerstück
 
Was mit dem Trinkgefäß nach dem Sieg Fronhoffmanns geschah, ist für 200 Jahre nicht überliefert. Erst 1914 wird die Figur in einem Katalog des Frankfurter Kunstgewerbemuseums als Leihgabe des Freiherrn M. K. von Rothschild erwähnt. Im selben Jahr erwarb Max Baer aus Frankfurt den Pokal. Aus dessen Besitz gelangte er in die Sammlung des jüdischen Ehepaares Heinrich (1840–1928) und Emma Budge (1852–1937). Nach dem Tod Emma Budges wurde deren Kollektion im Berliner Auktionshaus H. W. Lange in zwei Auktionen am 4. und 6. Oktober 1937 versteigert. Auf der ersten Auktion erwarb die Stadt Bamberg das Trinkgefäß für 3.200 Reichsmark. Bei den Versteigerungen der Budge-Sammlung handelte es sich um verfolgungsbedingte Verkäufe, da die angesetzten Schätzwerte deutlich unter dem Verkaufswert lagen und die Erlöse nicht an die rechtmäßigen Erben, sondern auf Sperrkonten für das Deutsche Reich überwiesen wurden.