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Die Hans Friedrich Oskar Deis – Gedächtnisstiftung

Porzellanbild von Andreas Blattner aus dem „Schmidtschen Porzellanmalinstitut“ am Jakobsberg im Jahr 1900

19. September 2010, 11 Uhr, Eröffnungsmatinee

Trauerarbeit und Kulturförderung einer Bamberger Bürgerfamilie im 20. Jahrhundert

Untröstlich über den Verlust ihres einzigen Kindes im Kriegsjahr 1944 gründete das Bamberger Ehepaar Oskar und Henriette Deis eine Stiftung zum Andenken an ihren Sohn Hans und zum Wohle der Städtischen Sammlungen.

Die aktuelle Ausstellungsergänzung im Nordwestflügel des Historischen Museums Bamberg erzählt von Trauerarbeit und Kulturförderung einer Bamberg Bürgerfamilie im 20. Jahrhundert.

Die „Hans Friedrich Oskar Deis – Gedächtnisstiftung“
Hans Deis kam am 22. Juli 1923 als Sohn von Henriette und Oskar Deis in Bamberg zur Welt. Wie die meisten jungen Männer seiner Generation nahm er am Zweiten Weltkrieg teil. Seit Juni 1944 galt er als in Russland vermisst. Seine über den Verlust ihres einzigen Kindes untröstlichen Eltern leiteten bereits in den 50er Jahren die Gründung einer Stiftung zu seinem Gedenken ein. Ihre eigene Altersversorgung und ihren persönlichen Lebensstil ordneten sie diesem Ziel unter. Nach dem Tod von Henriette Deis im Jahr 1978 wurde auf Basis des gemeinsamen Testaments die „Hans Friedrich Oskar Deis – Gedächtnisstiftung“ ins Leben gerufen. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört unter anderem der Erwerb von Objekten kulturell bedeutender Gegenstände für die Museen der Stadt Bamberg und die Einrichtung von Schauräumen mit wertvollen Objekten der Stiftung.

Zum Nachlass zählen Barock- und Biedermeiermöbel, Gemälde, Textilien, Geschirr und viel Tafelsilber. Bei der Einrichtung der Ausstellung zur Bürgerkultur im Historischen Museum Bamberg wurde aus Beständen der Stiftung ein Biedermeierzimmer eingerichtet.

„Wie wichtig solche Stiftungen für die Arbeit unserer Museen der Stadt Bamberg sind,“ so Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann, „zeigt die Tatsache, dass die jährlich zur Verfügung stehende kleine Summe seit 1983 neben dem Ankauf von zahlreichen Stadtansichten, Portraits und Kunstobjekten, die in einem engen Zusammenhang zu Bamberg stehen, auch zum Ankauf von kulturhistorischen Objekten verwendet wurde, die sich auf das Sammelgebiet Franken beziehen. Im März 2010 gelangte so eine gut erhaltene fränkische Brautkrone in die Sammlung.“

Die Ausstellung
Der neu gestaltete Ausstellungsraum möchte der Bedeutung dieser einmaligen Stiftung und dem mit ihr verbundenen herausragenden bürgerlichen Engagement Rechnung tragen und versteht sich als Erweiterung der bisherigen Ausstellung zur Bürgerkultur in Bamberg im 19. Jahrhundert, die seit 1997 mit wechselnden Ergänzungen im Nordwestflügel der Alten Hofhaltung gezeigt wird.

Die Präsentation geht anhand fünf großer Gemälde von Hans Schlereth auf die Familie Deis als Bamberger Bürger und Stifter ein. Im Zentrum des Raumes nimmt eine große Mittelvitrine Objekte auf, die die Beziehung der einzelnen Familienmitglieder zu Hans Deis und die Entstehungsgeschichte der Stiftung vertiefen. Der Schmerz über den Verlust des Sohnes wird an einer Monstranz sichtbar, in der die Eltern das Bild ihres Sohnes und seinen letzten Brief wie eine Reliquie aufbewahrten.

Neben der Familie wird die Bedeutung der Stiftung sichtbar gemacht. Zwei Vitrinen geben Einblick in die Sammlung alter Möbel und das umfangreiche Familiensilber, das vom feinen Tafelbesteck über Kaffeeservice bis zu Zigarettenspitze und Schuhlöffel auch viele Gegenstände des alltäglichen Bedarfs umfasst. „Auch für mich“, sagt Claudia Schelbert, die neue Stiftungsmanagerin der Stadt Bamberg, „ist es sehr interessant, wenn die Ergebnisse aus dem Stiftungswesen auf so schöne Weise präsentiert werden.“ So sieht man in zwei Vitrinen exemplarische Ankäufe, die bisher mit den Geldern der Stiftung getätigt werden konnten. Präsentiert wird ein sehr wertvolles Porzellanbild von Andreas Blattner aus dem Schmidtschen Porzellaninstitut in Bamberg sowie die jüdische Kultgegenstände, die 1990 für die künftige Judaica-Ausstellung erworben werden konnten.

Am 19. September 2010 wird um 11 Uhr dieser Bereich in einer Matinee offiziell durch Museumsdirektorin Dr. Regina Hanemann eröffnet, die Kuratorin Sonja Fehler M.A. wird einen Kurzvortrag und eine Überblicksführung halten. Interessierte sind herzlich willkommen!