Straßburger Fayencen und Meißener Porzellan stehen im Mittelpunkt der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus.
Figuren als Tischdekoration, Terrinen in Tierform, Duftgefäße und Service erinnern in der Sammlung Ludwig an das prunkvolle Leben und die Tischkultur des 18. Jahrhunderts. Außerhalb Frankreichs wird man kaum eine größere Privatsammlung mit Straßburger Fayencen antreffen. Eine besondere Attraktion ist beispielsweise eine sehr seltene Terrine in Form eines Truthahns, die schon allein aufgrund ihrer Größe beeindruckt. Die Sammlung zeigt auch die Entwicklung der Meißener Porzellanerfindung vom Böttgersteinzeug über die ersten Porzellanmischungen mit Alabaster bis hin zur endgültigen, noch heute verwendeten Rezeptur. Abgerundet wird die Sammlung durch Exponate aller anderen wichtigen Manufakturen des 18. Jahrhunderts.
Für Kinder wird der Museumsbesuch zu einem besonderen Erlebnis, wenn sie sich mit unseren Forscherbögen auf Spurensuche durch die Ausstellung begeben. Die Bögen liegen kostenfrei an der Museumskasse bereit.
An die Ausstellung schließt sich der berühmte Rokokosaal der Bamberger Ratsherrn an. Das Rathaus darf man also nicht nur von außen gesehen haben. Im Untergeschoss finden wechselnde Sonderausstellungen statt.
In der neuen Sonderausstellung Augenschmaus. Historische Bestecke aus dem Suermondt-Ludwig-Museum Aachen sind ab 12. Mai 2012 vielfältige Kostbarkeiten einer exquisiten Sammlung zu sehen.
Besteck führt jeder zum Mund, Messer und Gabel sind so alltägliche Gebrauchsgegenstände, dass man sich darüber selten Gedanken macht. Wer aber genauer wissen will, seit wann es überhaupt üblich ist, mit Messer und Gabel zu essen oder wie Bestecke früher ausgesehen haben, der muss lange suchen. Nur wenige Museen haben bedeutende Bestecksammlungen, die einen Überblick vermitteln können. Eine herausragende Sammlung besitzt das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Ihr Schwerpunkt liegt auf der faszinierenden Vielfalt an Materialien, aus denen die Besteckgriffe gemacht sind: Bernstein, Perlmutt, Koralle, Bergkristall, Achat, Porzellan, Fayence und vieles mehr. Die ältesten Teile stammen aus dem späten Mittelalter, die jüngsten aus der Epoche des Historismus in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die Ausstellung wird durch einen Katalog ergänzt und ist in der Sammlung Ludwig Bamberg als erste Station zu sehen. Danach folgen das Couvenmuseum Aachen und das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.
Am 28. November 2010 verstarb Frau Professor Dr. h.c. mult. Irene Ludwig in Aachen.
Seit 1995 hatte Frau Ludwig eine enge Beziehung zur Stadt Bamberg, denn damals überließ sie gemeinsam mit ihrem Mann Peter Ludwig ihre Porzellan- und Fayencesammlung der Stadt als Dauerleihgabe. Den Bambergern ist die Sammlung Ludwig im Alten Rathaus bestens vertraut, in der Fachwelt ist sie als eine der besten und qualitätsvollsten Porzellansammlungen Europas berühmt. Die neue museale Nutzung des pittoresken Alten Rathauses, das zuvor als Ämtergebäude genutzt worden war, ermöglicht den Museumsbesuchern nun auch den Zutritt zu einem der schönsten Gebäude Deutschlands und die Besichtigung des Rokokosaals. Mit im Gepäck war damals auch die barocke vielfigurige Großkrippe, bekannt als „Ludwigskrippe“, die seit ihrer Neuaufstellung im Flussgeschoß des Alten Rathauses die Besucher der Krippenstadt Bamberg erfreut.
Nach dem Tod von Peter Ludwig im Jahr 1996 reiste Frau Professor Ludwig fortan alleine nach Bamberg. Mindestens einmal im Jahr besuchte sie die Stadt und ihre Sammlung und erfreute sich immer aufs Neue über die gelungene Präsentation im Alten Rathaus. Die Sammlungen Ludwig in Köln, Aachen, Wien, Budapest, Peking und eben auch Bamberg umfassen insgesamt über 12.000 Objekte von der Antike bis zur Gegenwart. Besonders ans Herz gewachsen war Irene Ludwig aber die Keramik und so kannte sie jedes einzelne Stück, wusste um die historische Bedeutung der Porzellane und konnte etwas zu den Umständen der Erwerbung erzählen. Bei ihren Besuchen erzählte sie gerne, welche ganz persönliche Geschichte sie mit dem einen oder anderen Objekt verbindet. Es war immer ein Erlebnis, sie auf ihrem Rundgang durch die Sammlung zu begleiten, denn als studierte Kunsthistorikerin hörte sie nie auf, genau hinzusehen, die Kunst der Maler zu bewundern oder auch einmal ein in ihren Augen überladenes Service einem strengen Urteil zu unterwerfen.
Gerade in diesem Jahr lieh sie den Museen der Stadt Bamberg für die Sonderausstellung „Im Fokus: 300 Jahre Meißen. Glanzstücke aus der Sammlung Ludwig“ großzügig eine ganze Reihe von Meißener Stücken aus ihrem privaten Wohnhaus. Über die von ihr gegründete Peter und Irene Ludwig-Stiftung unterstützte sie die Museen der Stadt Bamberg auch immer wieder bei der Finanzierung von Publikationen und der Gestaltung von Ausstellungen.
Die Stiftung wird diese Arbeit von Irene Ludwig weiterführen.